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Energy Watch Group: Bis zum letzten Tropfen Öl
26.08.2008
Interview
Die Energy Watch Group ist ein internat- ionales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern. Unabhängig von Einzel- interessen von Unternehmen oder Regie- rungen analysiert die Organisation die Ver- fügbarkeit der weltweiten Energieres- sourcen, sie erstellt und publiziert Studien zu grundsätzlichen Fragen der Energiever- sorgung. Die Ergebnisse werden in der Öffentlichkeit kommuniziert und an die politischen Entscheidungsträger herange- tragen. Das wichtigste Anliegen besteht darin, Daten und Zusammenhänge trans- parent zu machen. Bisher werden diese sehr oft durch Organisationen oder Regierungen gefiltert und dann erst veröffentlicht.

Deshalb möchte die Energy Watch Group jene Stimme sein, die Daten und Fakten aus dem Energiesektor unabhängig darstellt und eine Art „Bypass“ um die politischen und einzelwirtschaftlichen Interessenfilter legt.

tagesblick: Warum braucht es neben der In- ternationalen Energieagentur (IEA) und di- versen nationalen Energieagenturen noch eine weitere?

Seltmann: Die Internationale Energieagentur ist, entgegen ihrem Namen, keine unab- hängige internationale Agentur, sondern eine Mitgliedsorganisation aus 27 OECD- Ländern. Insofern vertritt die IEA auch immer die Interessen der jeweiligen Mitglieds- staaten und kann keine eigene Position allein auf wissenschaftlicher Basis und unab- hängig von den energiepolitischen Zielen ihrer Mitglieder entwickeln und vertreten. Gleiches gilt natürlich auch für die nationalen Energieagenturen, die eben nicht unab- hängig von den jeweiligen Regierungen arbeiten, sondern an bestimmte Aufträge gebunden sind.

Die Energy Watch Group ist in diesem Sinne keine Energieagentur. Wir sehen unsere Aufgabe eher im Bereich der Politikberatung. Wir werden von der Ludwig-Bölkow-Stiftung getragen, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich mit Fragen der zukünftigen Energie- versorgung befasst. Die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, ist die Versorgung von Parlamentariern - gerade international - mit unabhängigen Informationen. Auf deren Basis werden dann im besten Fall ver- nünftige energiepolitische Entscheidungen getroffen.

Unser Ziel ist es, dass eine Energiepolitik im Sinne der Bürgerinnen und Bürger gemacht wird und nicht im Sinne einer Regierung oder eines Wirtschaftszweiges. Deshalb legen wir großen Wert darauf, dass unsere Infor- mationen und Analysen überparteilich erarbeitet und kommuniziert werden.

tagesblick: Welche Projekte haben Sie bisher durchgeführt?

Seltmann: Die Energy Watch Group ist eine noch recht junges Projekt und wir befinden uns gerade in der ersten Projektstufe. Neben dem weiteren Ausbau der Strukturen erarbeiten wir fünf Studien zur Verfügbarkeit ver- schiedener Energieträger: Kohle, Uran, Erdöl, Erdgas und Erneuerbare Energien. Bisher haben wir drei dieser Studien zu den Energieträgern Uran, Kohle und Erdöl ab- geschlossen und veröffentlicht.

tagesblick: Im Mai haben Sie mit besagter Studie zur Zukunft der weltweiten Erdöl- versorgung bis zum Jahr 2030 für Aufregung gesorgt. Was sind die Kernaussagen der Studie?

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