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tagesblick: In welchen Teilen der Welt lagern die meisten Ölvorkommen?

Seltmann: Die meisten verbleibenden Reserven sind im Nahen Osten, in den OPEC-Staaten zu finden. Darüber hinaus gibt es in Russland noch große Ölvorkommen. Im Übrigen sind die OPEC-Staaten auch die einzigen Staaten, die noch in der Lage sind, ihre Fördervolumina zu steigern. In allen anderen Förderregionen der Erde gehen die Fördermengen seit Jahren zurück. Russland selbst hat angekündigt, dass eine weitere Steigerung über das heutige Maß hinaus nicht möglich ist.

tagesblick: Nun ist ein Ölfund ja nicht gleich- bedeutend damit, dieses Öl auch fördern zu können. Werden wir jemals alle Ölvor- kommen fördern können? Was sind derzeit die größten Hürden?

Seltmann: Es ist sicher irgendwann technisch möglich, auch in heute nicht zugänglichen Gebieten Öl zu fördern, beis- pielsweise in der Arktis. Die Frage ist nur, ob wir die zu erwartenden Risiken wirklich eingehen wollen. Denn aufgrund der langsamen biologischen Prozesse in diesen Regionen würde eine Ölförderung in solchen Gebieten die Umwelt für Jahrhunderte massiv schädigen. Hinzu kommt, dass aufgrund der technischen und finanziellen Mehraufwendungen es sich schlicht noch nicht rechnet, dieses Öl zu fördern. Diese exotischen Öllagerstätten könnten auch nur einen verschwindend geringen Teil der heutigen Kapazitäten ersetzen. Vor diesem Hintergrund ist die Ölförderung in sensiblen Gebieten mit Sicherheit die schlechteste aller Lösungen.

tagesblick: Bleiben als Alternative Uran, Kohle, Gas und Erneuerbare Energien?

Seltmann: Unsere Studien zu Uran und Kohle haben klar gezeigt, dass diese beiden Energieträger die Ölverknappung nicht ausgleichen können. Uran hat bereits in den 1980ern seinen Förderhöhepunkt über- schritten. Darüber hinaus ist der Uranabbau mit schweren sozialen und ökologischen Verwerfungen verbunden. Allein die Tatsache, dass Uran zum Großteil in Lebensräumen indigener Völker abgebaut wird, wirft völkerrechtliche Probleme auf. Abgesehen von diesen Problemen kann aus Uran lediglich Strom sinnvoll erzeugt werden. Es ist nicht möglich, den Wärme- oder gar Kraftstoffbedarf annähernd zu decken

Unsere Studie zum Gas steht ja noch aus, dennoch ist klar, dass die Gasreserven ähnlich wie die Ölreserven begrenzt sind. Gasfelder in nennenswertem Umfang gibt es in noch weniger Ländern als das beim Erdöl der Fall ist. Die Abhängigkeiten sind also noch größer.

tagesblick: Könnte dann nicht die auch in Deutschland vorhandene Kohle ein energie- politisches Comeback erleben?

Seltmann: Ganz klar: Nein! Zwar wird derzeit weltweit die Abbaumenge noch gesteigert, aber bereits heute übersteigt auch bei der Kohle die Nachfrage das Angebot. Deshalb haben sich die Preise für Kohle in den letzten drei Jahren nahezu verdoppelt. Zwischen den Jahren 2020 und 2030 erwarten wir den weltweiten Förderhöhepunkt der Kohle. Das heißt, notwendige Steigerungen der Fördermenge, um beispielsweise Kohle als Ölersatz zu verflüssigen, sehen wir nicht.

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