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Nur circa fünf Minuten dauerte die Pressekonferenz, auf der Bischöfin Käßmann ihren Rücktritt sohl als hannoversche Landesbischöfin als auch als Vorsitzende des Rates der evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) bekannt gab. Sie könne "nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben", begründete die 51-Jährige ihren Schritt. Wie bei früheren Entscheidungen sei sie auch in diesem Fall ihrem Herzen gefolgt. Seit dem Bekanntwerden von Käßmanns Alkoholsünde am Dienstag wurde in den Medien heftig diskutiert, ob die Bischöfin zurücktreten sollte. Nach einer nicht repräsentativen Umfrage des Nachrichten- senders N-TV sprachen sich am Mittwoch zwei Drittel für einen Verbleib im Amt aus.
Kässmann war Samstagnacht auf dem Heimweg von einem privaten Empfang von einer Polizeistreife angehalten worden, weil sie mit ihrem Dienstwagen bei Rot über eine Ampel gefahren war. Der Blutalkoholtest ergab einen Wert von 1,54 Promille, was auf den Konsum von mehr als einer Flasche Wein schließen lässt. Ab 1,1 Promille wird in Deutschland ein Strafverfahren eingeleitet. Käßmann muss mit einer Geldbusse von 30 Tagessätzen, die nach ihrem Gehalt berechnet werden, sowie dem Verlust ihrer Fahrerlaubnis für zehn Monate bis einem Jahr rechnen.
Die Tochter eines Kfz-Mechanikers, die beim ersten Mal wegen zu hoher Geschwindigkeit durch die Fahrprüfung gefallen war, hatte vor drei Jahren in einem Interview gegen Alkohol am Steuer gewettert. |
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Sie hatte das „mangelnde Verantwortungsbe- wusstsein“ von Autofahrern kritisiert, „insbesondere wenn Alkohol und Drogen mit im Spiel sind.“ Nach ihrem eigenen Sündenfall zeigte sie sich reumütig: „Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich so einen schlimmen Fehler gemacht habe.“
Zudem fällt ihr übermäßiger Alkoholkonsum ausgerechnet in die Fastenzeit. Vor einem Jahr noch hatte sie „Spiegel Online“ anvertraut, dass Alkohol für sie während der 40-tägigen Fastenzeit tabu sei und dass ihr das mitunter schwer falle: „Ja, ich merke auf einmal, wie sehr ein Glas Wein am Abend zur Gewohnheit werden kann.“
Bereits vor drei Jahren hatte Käßmann an Rücktritt gedacht. Damals ging es allerdings nicht um Alkohol, sondern um ihre Ehe. 2007 hatte sich ihr Mann, der Pfarrer Eckhard Käßmann, nach 26 Ehejahren von ihr getrennt. Wegen des großen Rückhalts in der Landeskirche hatte sie jedoch ihr Amt als hannoversche Landesbischöfin behalten.
Seit ihrer Wahl zur EKD-Ratsvorsitzenden Ende 2009 in Ulm ist Käßmann ein Medienstar. Sie löste den Berliner Bischof Wolfgang Huber ab, den viele als kühlen und theorielastigen Amtsinhaber empfanden. Mit Käßmann kam nicht nur eine Frau, sondern auch eine Bischöfin, die auf die direkte Ansprache der Menschen setzte. Praktisches Handeln stand im Vordergrund, wenn Käßmann dafür plädierte, Kindern vorzu- lesen, ihnen ein nahrhaftes Frühstück |
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