Vier Tage nach der Katastrophe an der Duisburger Loveparade geht die Suche nach den Schuldigen weiter. Innenminister Jäger verwahrte sich am Mittwoch dagegen, der Polizei die Schuld zu geben. Für die Sicherheit auf dem Veranstaltungsgelände sei vielmehr der Veranstalter zuständig. Der aber habe trotz großem Andrang seine Tore erst um 12 Uhr geöffnet, da auf dem Veranstaltungsgelände noch Planierarbeiten im Gang gewesen seien. Vereinbart war dagegen, gegebenenfalls sogar schon um 10 Uhr die Raver auf das Gelände zu lassen.
Zudem habe der Veranstalter entgegen den Absprachen zu wenig Ordner eingesetzt und am Nachmittag um Hilfe gebeten, weil er den Zustrom nicht mehr bewältigen konnte. Veranstalter Rainer Schaller dagegen hatte am Montag der Polizei vorgeworfen, sie habe Anweisung gegeben, alle Schleusen zu öffnen. Schaller ist Geschäftsführer des Sponsors McFit sowie Chef des Veranstalterunternehmens Lopavent.
Während sich die Stadt Duisburg noch immer in Schweigen hüllt, wurden erneut Vorwürfe laut. Nordrhein-Westfalens Polizeiinspekteur Dieter Wehe beklagte sich, dass er die Genehmigung der Veranstaltung erst am Samstagmorgen erhalten habe. Die habe für 250.000 Teilnehmer auf dem Gelände gegolten. Der Veranstalter hatte zunächst von weit über einer Million gesprochen. Seit der Katastrophe ist hingegen nur noch von 187.000 Besuchern die Rede.
Dass es im Duisburger Rathaus grosse Bedenken |
gegen die Veranstaltung gegeben haben muss, veranschaulicht auch die Tatsache, dass keiner der hochrangigen Beamten das erforderliche Brandschutzkonzept unterzeichnen wollte. Dies musste schließlich ein Sachbearbeiter tun. Ein Sitzungsprotokoll vom 18. Juni dokumentiert die massiven Einwände des Bauordnungsamtes, das auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zugegangen war. Der hat bislang immer erklärt, von Warnungen nichts gewusst zu haben.
Von Rücktritt will Sauerland nach wie vor nichts wissen. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 20 Tote verantwortlich gemacht, lautet sein Argument. Er werde nachweisen, dass er keine Fehler gemacht habe. Sauerland wird an der Trauerfeier am Samstag nicht teilnehmen. Er wolle „die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit provozieren.“ Bei einem Besuch am Ort der Katastrophe war der Oberbürgermeister beschimpft worden. Er hat auch Morddrohungen erhalten. Die Trauerfeier besuchen werden dagegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff.
Die Zahl der Toten hat sich inzwischen auf 21 erhöht. Alle Opfer sind laut Auskunft von Polizeiinspekteur Wehe erstickt. Zuvor war von Stürzen die Rede gewesen. Bestätigt wurde, dass es im Tunnel keine Toten gegeben hat. Als Konsequenz aus der Duisburger Katastrophe hat Rostock eine Tunnelparty am Wochenende verboten. In Kastellaun bei Koblenz |