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Bundespräsident Wulff muss nun über Entlassung entscheiden
02.09.2010
Bundesbank will Sarrazin loswerden
„Herr Friedman, heute waren Sie ein Arschloch.“ Mit diesen Worten habe Sarrazin ein Interview abgebrochen, schilderte der frühere Vizepräsident des Zentralrats der Juden und heutige Publizist Michel Friedman am Donnerstag in der „Bild“-Zeitung seine Begegnung mit dem Bundesbank-Vorstand. Ob das das Tüpfelchen auf dem i war, ist nicht bekannt. Am Nachmittag jedenfalls gab die Bundesbank bekannt, dass man sich von Sarrazin trennen wolle. Der Beschluss sei einstimmig gefallen.

Bereits vor einem Jahr hatte Bundesbankpräsident Axel Weber versucht, Sarrazin nach einem umstrittenen Interview loszuwerden. Damals hatte er aber noch keine Mehrheit im Vorstand bekommen, da einige Vorständler Sarrazin das Recht auf freie Meinungsäußerung zugute hielten.
Das war nun nicht mehr der Fall, wobei es weniger um Sarrazins Buch geht als um ein Interview, in dem der Satz fiel: „Alle Juden haben ein bestimmtes Gen.“

Mit diesem Ausflug in die Rassenlehre hat sich Sarrazin die letzten Sympathiereste verscherzt - jedenfalls bei der Bundesbank und bei zahlreichen Politikern. In der Bevölkerung jedoch hat man für seine Aussagen viel Verständnis und versteht nicht, warum er bei der Bundesbank und aus der SPD rausfliegen soll. Sarrazin bereut seine Aussage inzwischen und relativiert, er sei nicht der Ansicht, dass es eine genetische Identität gebe: „Es gibt aber genetische
Gemeinsamkeiten der verschiedenen Gruppen der Juden.“

Über die Entlassung Sarrazins muss nun Bundespräsident Christian Wulff entscheiden. Der hatte sich in den letzten Tagen bereits mit den Worten geäußert: „Ich glaube, dass jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet - vor allem auch international." Das deutet darauf hin, dass er dem Ansinnen der Bundesbank entsprechen wird. Es wäre das erste Mal, dass ein Mitglied des Vorstands der Bundesbank entlassen wird.

Hintergrund von Webers Schritt dürfte auch sein, dass er im nächsten Jahr die Nachfolge von EZB-Chef Jean-Claude Trichet anstrebt. Ein ungelöstes Problem Sarrazin wäre da alles andere als hilfreich gewesen. Denn für den neuen Job ist Weber auf die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel angewiesen. Und die hat bereits ungewöhnlich früh in der Debatte klar gemacht, dass sie von Sarrazins Thesen nichts hält.

Daneben läuft das Ausschlussverfahren der SPD, das allerdings keineswegs so reibungslos über die Bühne geht, wie SPD-Chef Sigmar Gabriel sich das wünscht. Gabriel hatte zuerst auf einen freiwilligen Austritt gesetzt, was Sarrazin jedoch genauso ablehnte wie einen Rücktritt als Bundesbank-Vorstand. Nun wird die Parteizentrale von Tausenden von Mails überschwemmt, wobei sich etwa 90 Prozent hinter Sarrazin stellen. Bereits vor einem Jahr hatte
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