Pünktlich zu Jahresbeginn hat Wulff erneut Negativ-Schlagzeilen produziert. Diesmal geht es um eine Nachricht auf einem Anrufbeantworter von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Wie jetzt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und die „Süddeutsche Zeitung“ berichteten, hat Wulff versucht, die Berichterstattung über den Erwerb seines Hauses in der „Bild“ zu verhindern. Da der Bundespräsident den Chefredakteur nicht persönlich erreichte, ließ er seine Wut auf dessen Mailbox vom Stapel.
Wulff drohte mit dem „endgültigen Bruch“ mit dem Springer-Verlag, in dem „Bild“ erscheint, wenn diese „unglaubliche Geschichte“ tatsächlich erscheine. Für ihn und seine Frau sei „der Rubikon überschritten.“ Sogar von „Krieg führen“ soll die Rede gewesen sein. Wulff soll zudem auch beim Vorstandsvorsitzenden der Springer AG, Mathias Döpfner, sein Glück versucht haben. Der aber habe ihn abblitzen lassen.
Wulff war zu diesem Zeitpunkt auf Auslandsreise in den Golfstaaten. Er wusste, dass mehrere Medien zu seinem Hauskauf recherchierten, da es einen Rechtsstreit durch alle Instanzen zur Einsicht ins Grundbuch gegeben hatte. Bis zur Bundespräsidentenwahl hatte die Springerpresse ziemlich wohlwollend über Wulff berichtet. Doch dann fanden „Bild“ und Co. am Kandidaten Joachim Gauck mehr Gefallen.
Die „unglaubliche Geschichte“ erschien dann doch und entpuppte sich in der Tat als unglaublich - aber anders als der Bundespräsident es meinte. Das Ehepaar Wulff |
hatte sich von der Frau des mit ihm befreundeten Unternehmers Egon Geerkens einen überaus zinsgünstigen Kredit über 500.000 Euro geben lassen. Bei einer Anfrage der Grünen im niedersächsischen Landtag konnte Wulff dann Geschäftsbeziehungen zu Geerkens verneinen, was formal zutraf.
Dann stellte sich heraus, dass das Ehepaar Wulff diesen Kredit durch ein noch günstigeres Darlehen der zur Landesbank Baden-Württemberg gehörenden BW-Bank abgelöst hatte. Laut dem „Spiegel“ könnte dieser Kredit eine Art Dankschön für Wulffs Rolle bei der Rettung von Porsche gewesen sein, da er die beiden Banken vor möglichen Verlusten bewahrte. Der Autohersteller hatte sich bei dem Versuch der Übernahme von VW übernommen. Wulff und die Bank bestreiten das. Nicht zuletzt verlor Wulff kurz vor Weihnachten einen langjährigen Vertrauten. Sein Sprecher Olaf Glaeseker schied überraschend aus dem Amt.
Trotz aller Kritik in den Medien hält sich die Kritik der Opposition in Grenzen. Zwar sagte die kaum bekannte SPD-Vize Aydan Özoguz, Wulff schade der ganzen politischen Klasse, da er nicht sofort reinen Tisch gemacht habe. Doch Anlass für einen Rücktritt sieht nach wie vor einzig der FDP-Hinterbänkler Erwin Lotter. SPD-Chef Sigmar Gabriel lehnte dies schon vor Weihnachten ab: „Es wäre verheerend und nahe an einer echten Staatskrise, wenn innerhalb von zwei Jahren zum zweiten |