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Mehrheit der Deutschen will dem Bundespräsidenten eine zweite Chance geben
06.01.2012
Merkel hält zu Wulff
Sie habe „große Wertschätzung“ für Wulff sowohl als Mensch als auch als Bundespräsident, ließ die Bundeskanzlerin am Freitag über ihren Sprecher verlauten. Sein Fernsehauftritt sei ein „richtiger Schritt“ gewesen. Nun solle seine Entschuldigung auch akzeptiert werden. Der umstrittene Inhalt auf der Mailbox ist für Merkel eine Angelegenheit zwischen Wulff und „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Auch CSU-Chef Horst Seehofer stellte sich hinter Wulff.

Trotz dieser Unterstützung wird Wulff so schnell nicht zum Alltagsgeschäft zurückkehren können, wie er das am Freitag bei der Begegnung mit Sternsingern versuchte. Das Medienecho am Freitag war verheerend, nachdem sich Wulff am Vortag geweigert hatte, den Wortlaut der Mailbox öffentlich zu machen, wie es Diekmann angeregt hatte. Es würde schon von einer gewaltigen Portion Naivität zeugen, wenn Wulff tatsächlich glauben würde, dass er mit seinem Nein eine Veröffentlichung verhindern könnte. Schon am Freitag sickerten weitere Details durch. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der gesamte Wortlaut publik ist. SPD-Chef Sigmar Gabriel verlangte von Merkel, Wulff zur Offenlegung der Mailbox-Nachricht zu drängen.

Der Journalist Hans Leyendecker von der „Süddeutschen Zeitung“ kennt den kompletten Inhalt der Mailbox - woher auch immer. Er stützte zwar Wulffs Aussage, er habe von einer Verschiebung der Veröffentlichung über seinen Hauserwerb gesprochen.
„Bild“ hatte behauptet, Wulff habe die Berichterstattung komplett verhindern wollen. Laut Leyendecker sind auf der Mailbox aber auch die Worte „Krieg führen“ und „Strafantrag“ zu hören. Der Journalist kommt zu dem Schluss, dass Wulff weder gelogen noch die Wahrheit gesagt habe. Das würde den Vorwurf der Salamitaktik erhärten. Weitere Aufklärung in dieser Frage fordert nicht nur die Opposition, sondern auch die FDP.

Zudem wurde am Freitag ein weiterer Widerspruch bekannt. Die BW-Bank erklärte, der Darlehnsvertrag mit Wulff sei mitnichten schon Mitte November zustande gekommen. Im Interview hatte der Jurist Wulff dies behauptet und von einer Handschlagqualität gesprochen. Die Bank verwies nun drauf, dass ein Verbraucherkreditvertrag laut Gesetz der schriftlichen Form bedürfe. Unterschrieben hat Wulff erst am 21. Dezember.

Bekannt wurde am Freitag auch, dass First Lady Bettina kostenlos Kleider deutscher Luxus-Modehersteller erhalten hat. Laut Wulffs Anwalt wurde das jedoch bei der Steuererklärung berücksichtigt. Zudem fordern 67 Banken, Versicherungen und Fonds von Wulff Schadenersatz in Höhe von 1,8 Milliarden Euro, weil er in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident im VW-Aufsichtsrat nicht die Interessen der VW-Aktionäre, sondern die der Porsche-Eigner-Familien Porsche und Piëch vertreten habe.

Ob Wulff nun bleibt oder geht - sein Ansehen ist derart ramponiert, dass er es schwer haben wird, sein
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