Zwei Tage vor Weihnachten war Glaeseker überraschend von Bundespräsident Wulff von seinen Aufgaben entbunden worden. Eine Begründung hatte es damals nicht gegeben. Spekuliert worden war zum einen, er habe sich mit seinem Chef über die richtige Krisenbewältigung der Kreditaffäre überworfen. Aber es hatte auch schon Hinweise gegeben, dass Glaeseker selbst im Visier von Ermittlungen stehen könnte.
Am Donnerstag wurde nun bekannt, dass Privat- und Geschäftsräume Glaesekers durchsucht wurden. Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel sagte, dass seine Behörde inzwischen von einem „qualifizierten Anfangsverdacht“ ausgehe. Das sei mehr als nur ein Anfangsverdacht. Ermittelt wird gegen Glaeseker wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. In seiner Zeit als niedersächsischer Regierungssprecher soll er ab 2008 dreimal zusammen mit seiner Frau gratis Urlaub in Auslandsquartieren des Kölner Eventunternehmers Manfred Schmidt gemacht haben. Auch gegen Schmidt wurde am Donnerstag in Deutschland und der Schweiz ermittelt.
Glaeseker soll die von Schmidt ausgerichtete Veranstaltungsreihe „Nord-Süd-Dialog“ gefördert haben. Dabei handelt es sich um Begegnungen zwischen Unternehmern aus Niedersachsen und Baden-Württemberg. Schirmherren waren Wulff sowie Baden-Württembergs damaliger Landesvater Günter Oettinger (CDU). In Baden-Württemberg ist auch die Bank beheimatet, von der Wulff einen ungewöhnlich günstigen Kredit für den Erwerb seines Hauses erhielt.
Glaeseker war so etwas wie die graue Eminenz hinter Wulff. Er galt als der Spin |
Doctor, der aus dem unbekannten Oppositionspolitiker mit dem Image des netten Schwiegersohnes den Ministerpräsidenten Wulff gemacht hat. Der ehemalige Journalist Glaeseker ist seit seiner Demission vollkommen abgetaucht und nur noch für ausgewählte Journalisten erreichbar. Öffentlich geäußert hat er sich nicht seither.
Wulff steht seit Dezember wegen eines günstigen privat erteilten Kredites, eines noch günstigeren Folgekredites der baden-württembergischen BW-Bank sowie seiner Versuche, Einfluss auf die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung zu nehmen, in der Dauerkritik. Nachdem die Vorwürfe abgeebbt sind, versucht er zur Normalität zurückzukehren. Am Donnerstag empfing er den palästinensischen Präsidenten Abbas.
Doch die Medien lassen ihm keine Ruhe. Zwar hat ermittlerweile tatsächlich alle 400 Anfragen von Medien sowie die Antworten dazu veröffentlicht. Doch am Donnerstag wurden neue Vorwürfe laut. Ehefrau Bettina soll einen Audi Q 3 zu besonders günstigen Bedingungen geleast haben. Wulff bestreitet das. In der Bevölkerung nutzt ihm das jedoch wenig. Sein Ruf ist ramponiert. Immerhin halten sich laut dem ARD-Morgenmagazin Befürworter und Gegner in etwa die Waage. 46 Prozent sind für seinen Rücktritt. 45 meinen, er solle bleiben. |