Auf Antrag von Hillary Clinton ernannte der Demokratische Parteitag Barack Obama gestern per Akklamation zum Präsident- schaftskandidaten. So durfte die Dauerrivalin Obama den Steigbügel halten für den wohl wichtigsten Moment seiner Karriere.
Der Kandidat ließ auch nicht lange auf sich warten. Obama wurde nach der Rede von Vize-Kandidat Joe Biden Rede als Über- raschungsgast angekündigt. Und tauchte mit einem ironischen "Buh!" auf der Bühne auf. Die Massen jubeln, Biden und Obama winken Arm in Arm ins Publikum.
Obamas ironische Haltung überdeckt die Größe dessen, was in Denver geschieht. 143 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei und über 40 Jahre nach dem Ende der Segregation im Süden gibt es die Chance für einen Afroamerikaner, Präsident der USA zu werden. Das setzt der Welt nach acht verheerenden Jahren ein Beispiel für die ungeheure Kraft zur Erneuerung, die immer noch in den Vereinigten Staaten steckt. |
Schon klar: Obama ist in seinem Gestus weißer, als es so manch weißer Kandidat wäre. Die Rassenängste weiter Teile der amerikanischen Wähler sind eine große Herausforderung für seine Kandidatur. Und doch bröckelt etwas. Und das ansonsten fleißig nölende Deutschland muss an- erkennen: hier haben die USA uns etwas voraus. Oder meint irgendjemand ernsthaft, ein Deutscher mit türkischem Hintergrund würde hier als Kanzlerkandidat aufgestellt werden?
Es gibt also einen Grund zur Freude. Nun bleibt nur die Frage, ob sich in der Wahl im November der Mut zum Wagnis oder die Angst vor Neuem durchsetzen wird. |