Der Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad hat 60 Menschen das Leben gekostet, 257 Menschen wurden verletzt. Ein LKW mit rund 1000 Kilogramm Sprengstoff war in das Hotel gerast und hatte auch die Gasleitungen durchbrochen. Das ganze Hotel stand in Flammen. Es soll auch ein Deutscher unter den Toten sein. Das sind die Fakten - was sind die Hintergründe? Was ist los in Pakistan?
In einer Fernseh - Ansprache hat zunächst Präsident Zardari den Attentätern mit Ver- geltung gedroht. Die Regierung lasse sich von Terroristen nicht einschüchtern. "Terroris- mus ist ein Krebsgeschwür in Pakistan. Und wir sind entschlossen, das Land von diesem Krebsgeschwür zu befreien". Auch die USA, die EU und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilten das Attentat, bei dem nach Berichten pakistanischer Medien mindestens 60 Menschen getötet und 257 weitere verletzt wurden.
Der amerikanisch Präsident Bush sicherte der pakistanischen Regierung die Unter- stützung der USA im Kampf gegen den Ter- rorismus und bei der Verfolgung der Hinter- männer des Anschlags zu.
Das aber ist nicht so einfach, wie es sich spricht und liest. Die "Hintermänner" dieses Anschlages kommen nämlich aus Strukturen, die die Pakistani und die USA selbst jahre- lang gezüchtet haben.
Gehen wir einen Schritt zurück. "Normaler- weise", sagen Spötter, "hält sich ein Land einen Militärapparat. In Pakistan ist es |
umgekehrt". Der überbordende Miltärapparat Pakistans ist seiner Entstehungsgeschichte zu verdanken. Durch eine verfehlte britische Kolonialpolitik wuchsen in Indien zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche Wider- standsbewegungen gegen den Kolonial- herren. Darunter auch die muslimische Deobandi-Bewegung, die später den Kern der Muslim-Liga in Indien bildete und die wiederrum den Kern der Unabhägigkeits- bestrebungen Pakistans. Bis 1947 gehörte Pakistan zu Indien. Als sich die beiden Staaten trennten, blieb die Kaschmir-Frage offen. Obwohl Kaschmir vorwiegend musli- misch ist, wurde es durch eine ungerechte koloniale Grenzziehung Indien zugeschlagen.
Von Beginn an gab es - auch bewaffnete - Auseinandersetzungen zwischen Indien und Pakistan wegen Kaschmir. Jedes Jahr im Frühjahr nach der Schneeschmelze im Himalaya gab es traditionell Grenzschar- mützel im und um das Kaschmirgebiet.
Das Gefühl vom übermächtigen Nachbarn Indien dauernd bedroht zu sein, die ungel- öste Kaschmirfrage und die absolute Hetero- genität des neuen Staates, mit freiheits- liebenden Bergstämmen an der Grenze zu Afghanistan und extremen Unterscheiden zwischen Arm und Reich, dabei war das Militär oft das einzig einigende und einzig akzeptierte gesellschaftliche Band.
Pakistans Militär durchdringt die ganze Ge- sellschaft. Das Militär unterhält im ganzen Land Militärstiftungen, die wiederum in über 700 Unternehmen aktiv sind. |