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Selten wurde eine Debatte der Vize-Kan- didaten mit so viel Spannung erwartet wie dieses Jahr. Und selten wurde Warten so belohnt. Die Vize-Kandidaten von Barack Obama und John McCain, Senator Joe Biden und Gouverneurin Sarah Palin, boten dem Publikum eine spannende, inhalts- und aufschlussreiche Debatte. Palin wie Biden gaben ihr Bestes und boten kaum Angrif- fsflächen.
Interessant war, dass heute insbesondere der Irak - Krieg als Streitthema auftauchte. Nirgends sind Demokraten und Republikaner so weit voneinander entfernt wie bei diesem Thema. Im Vergleich hierzu spielte die Wirt- schaft nur eine untergeordnete Rolle.
Die Qualität der Debatte überraschte. Ins- besondere Sarah Palins Leistung war noch heute Nachmittag kaum vorherzusagen. In der Debatte bewies die Gouverneurin dann ihre Fähigkeiten als brillante Kommunik- atorin. Wo sie inhaltlich oftmals auswich, umwarb sie heftig die republikanische Basis und präsentierte sich als sym- pathische und frische Kraft. Palin blieb charmant, beredet und gut gelaunt - auch dann, wenn sie eigentlich Anlass zur Unsicherheit gehabt hätte.
Es ist offensichtlich, dass sich die Gouver- neurin exzessiv auf die Debatte vorbereitet hat. Besonders in der ersten halben Stunde zog sie knallhart eine Agenda durch. Egal, welche Frage kam: Palin hakte auf ihrer Liste Punkt für Punkt ab. Sie attackierte Obama, pries McCain und schlussendlich sich selbst. Ihren Kontrahenten Biden beachtete sie in den ersten zwei Dritteln kaum.
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Das musst sie aber auch nicht. Der als auf- brausend bekannte Demokrat war heute bemerkenswert zurückhaltend. Weder griff er Palin direkt an, noch fiel er durch über- mäßiges Temperament auf. Die charmant vorgebrachten Unwahrheiten der Gourver- neurin - die bekannte Halbwahrheiten der McCain-Kampagne wiederholte - stellte er standhaft richtig. Biden machte das klar, strukturiert und inhaltlich mehr als versiert. Zudem schlug er immer wieder auf John McCain ein. Palin ließ er außen vor.
Damit vergab der Demokrat aus Delaware jedoch auch viel Zeit. Palin stellte so oft Halb- wahrheiten oder sogar Unwahrheiten in den Raum, dass Biden laufend damit beschäftigt war, zu widersprechen. Palin brachte sich so erfolgreich in die Offensive.
Erst zum Schluss der Debatte taute Biden auf und haute ein paar Mal dazwischen. Ins- besondere in den Schlussminuten griff er McCain persönlich hart an und demontierte Palin, die zunehmend still wurde. Spätestens hier wurde sichtbar, dass die Gouverneurin aus Alaska nicht sicher genug in ihren Schuhen stand, um zu improvisieren und direkt zu kontern. Sie hielt sich an ihre Sprechpunkte und ließ sich ansonsten nicht provozieren.
Generell wurde immer wieder klar, wieviel mehr Erfahrung und Wissen Joe Biden im Vergleich zu Sarah Palin ins Rennen bringt. Der Senator beantwortete jede Frage konkret und klar. Er beeindruckte durch inhaltliche Versiertheit, ohne zu langweilen.
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