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Rosa Parks hat vor 53 Jahren Geschichte geschrieben
01.12.2008
Mother of the Movement
Manche Menschen schreiben Geschichte, weil sie gegen Unrecht aufstehen. Rosa Parks hat Geschichte geschrieben, weil sie sitzen blieb.

Nach einem langen Arbeitstag steigt die schwarze Näherin in Montgomery, der Haupt- stadt des US-Bundestaates Alabama, in den Linienbus. Sie setzt sich in eine der Sitz- reihen, die für Schwarze vorgesehen sind. Der Bus wird im Laufe der Fahrt immer voller, der Busfahrer fordert schließlich vier schwarze Fahrgäste dazu auf, ihre Plätze für zugestiegene weiße Männer freizugeben. Rosa Parks weigert sich - als Einzige.

Die 42-jährige erinnert sich später: “Ich hatte gearbeitet, und ich kann nicht sagen, dass ich nicht müde war. Aber das war nicht der wichtigste Grund, warum ich sitzen bleiben wollte. Der wichtigste Grund war: Ich wollte nicht mehr schlecht behandelt werden, ich wollte nicht, dass man mir einen Platz wegnimmt, für den ich gezahlt hatte. Ich fühlte, dass wir genug ausgehalten hatten. Je mehr wir nachgaben, je mehr wir uns fügten, desto repressiver wurde es.“

In Alabama und in vielen anderen Staaten der USA herrschte 1955 strikte Rassentrennung. Weiße Kinder gingen in weiße Schulen, schwarze Kinder in schwarze Schulen. Es gab getrennte Aufzüge, Parkbänke und Trink- wasserbrunnen. Schwarze Bürger mussten an eigenen Schaltern ihren Busfahrschein lösen und sich in den
gelb-weißen Linienbussen in Montgomery auf bestimmte Plätze setzen.

Mit ihrer Weigerung, ihren Sitzplatz frei- zugeben, verstieß Rosa Parks gegen die damaligen Rassengesetze, die sogenannten Jim-Crow-Laws. Schwarze waren demnach „separate but equal“ - „getrennt aber gleich“.

Der Busfahrer ruft die Polizei. Rosa Parks - Mitglied der „Nationalen Vereinigung für die Gleichstellung farbiger Menschen“ - wird verhaftet. Die kleine Frau mit dem ge- flochtenen Haar und den dunklen Augen hinter ihrer Brille blickt auf dem Polizeifoto fast herausfordernd in die Kamera.

Sie ist nicht die erste schwarze Frau, die sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz freizugeben. Doch ihr Akt des zivilen Ungehorsams wirkt wie ein Katalysator für die Bürgerrechts- bewegung. Am 5. Dezember, dem Tag der Gerichtsverhandlung gegen Rosa Parks, fordern Bürgerrechtler die schwarzen Bewohner der Stadt in 35.000 Flugblättern dazu auf, keinen Bus zu besteigen. An der Organisation des „Mont- gomery Bus Boycott“ ist auch ein junger Pastor einer Bapti- stenkirche beteiligt. Es ist der Beginn der Karriere des Bürgerrechtlers Martin Luther King.

Mehr als ein Jahr lang wird der „Montgomery Bus Boycott“ dauern. Die Schwarzen bilden Fahrgemeinschaften oder fahren mit dem Taxi zur Arbeit, Zehntausende laufen zu Fuß.
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