 |
Peer Steinbrück hat Lust am Flapsigen. Was vielleicht volkstümlich wirkt, im Wahlkampf zieht, verärgert aber unsere Nachbarländer zusehends. Peer Steinbrück hat am Dienstag die Schweiz, Österreich und Luxenburg mit Quagadugouo, der Hauptstadt Burkina Fasos verglichen. Unsere Nachbarn sind darüber "not amused".
Vom "Wespennest" sprach die Neue Züricher Zeitung, in die Peer Steinbrück mal wieder gestochen habe und von seiner unbändigen Lust "am Brüskieren". Was ist passiert? Nach einem Treffen der EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel, sagte Steinbrück, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Lux- emburg seien zu einer Nachfolgekonferenz des Pariser OECD-Treffens eingeladen. "Selbstverständlich werde ich sie zur Nach- folgekonferenz im Juni in Berlin einladen - Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz, Österreich, Ouagadougou", sagte Steinbrück.
Das war so unnötig wie undiplomatisch. Al- lerdings, es war nicht unbeabsichtigt und nicht das erste Mal. Sein letzter Vergleich der Schweiz im März dieses Jahres, mit Cowboy und Indianern, löste eine diplomatische Krise zwischen beiden Ländern aus.
Wie die Neue Züricher Zeitung bereits am 18. März 2009 dann auch zutreffend schrieb, sind Steinbrücks Provokationen nie gedankenlos, sondern gewollt. Und: es trifft nicht nur die Schweiz. Auch die Bayern - hier der ehe- malige Wirtschaftsminister Michael Glos - oder andere CDU- oder SPD- Politiker aus Deutschland stöhnen gelegentlich vernehm- lich, wenn sein Name fällt. Auch |
 |
sie waren bereits Opfer seiner Lust am schnellen Wort.
Allerdings, Steinbrück, der sich gerne ober- lehrerhaft gibt, macht auch Fehler. So musste er am Dienstag einräumen, dass die vom G-20-Gipfel erstellten Listen von Steueroasen "widerspruchsbehaftet" seien. Die Kritik des Luxemburger Premiers Jean-Claude Juncker sei somit nachvollziehbar.
Dennoch sei die Liste richtig, auch wenn sie unvollständig sei, so Steinbrück: "Wir haben uns für nichts zu entschuldigen, sondern wir pushen dieses Thema aus grosser Berechti- gung."
Wer allerdings solche Fehler macht, sollte seine Zunge im Zaum halten. Mit guten Beziehungen zu unseren Nachbarländern lassen sich auf Dauer auch mehr Kom- promisse bei Steuerstreitigkeiten erreichen, als durch Provokationen und Verärgerung. Auch in der Außenpolitik gilt: Man sieht sich immer zweimal.
|
 |