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Somalische Piraten nutzen Informanten in London
11.05.2009
Piraten
Der spanische Radiosener "Cadena Ser" berichtete am Montag, dass die Piraten vor der somalischen Küste ihre Angriffe mit Infor- mationen aus London planen. Cadena Ser beruft sich auf seiner Homepage dabei auf einen nicht genannten Militärgeheimdienst, der aber bei der Operation "Atalanta" im Einsatz sein soll.

Neu wäre diese Methode nicht - insofern erscheint die Meldung von Cadena Ser am Montag durchaus glaubwürdig. Auch in der Straße von Malakka, auf der Wasserstraße, die an Malaysia, Indonesien und Singapur vorbeiführt, nutzen die dortigen Piraten Infor- mationen aus Polizei- und Hafenkreisen, um vorbeifahrende Schiffe zu kapern.

Es ist ein einträgliches Geschäft für beide Seiten. Korrupte Polizisten oder Hafenbeamte verdienen sich ein Zubrot durch die Weiter- gabe wichtiger Informationen, wie: Welches Schiff mit welcher Ladung wann welchen Hafen verlässt und wieviel Mann Besatzung an Bord sind. Die Piraten müssen dann nur noch warten.

Ähnlich gingen nun auch anscheinend die Piraten vor Somalia vor. Die Seeräuber haben sich angeblich in London ein Informantennetz aufgebaut, um so an vertrauliche Daten der Schifffahrtsgesellschaften zu gelangen. Diese Daten wurden dann per Satelliten- telefon nach Somalia gesandt. Als Beispiel für die jüngste Zusammenarbeit gibt Cadena Ser auf seiner Homepage den Überfall vom 13. März 09 auf das spanische Schiff "Felipe Ruano" an.

Der Geheimdienstbericht listet nach Angaben von Cadena Ser Piratenüberfällen auf, bei denen die jeweils betroffene Schiffbesatzung erstaunt gewesen sei, über welch detaillierte Informationen die Angreifer verfügten. Selbst die Nationalität der Crewmitglieder sei den Seeräubern bekannt gewesen.

Was - bei aller Brutalität - die Piraten vor Somalia von denen in der Straße von Malakka unterscheidet, ist dass bislang immer Löse- geld gefordert wurde. In Asien nehmen die Piraten längst kein Lösegeld mehr. Dort verschwinden ganze Schiffe samt der Besatzung von der Wasseroberfläche, nach- dem sie ausgeraubt sind, oder nachdem die Besatzung getötet, über Bord geworfen und die Ladung des Schiffs in einem anderen Hafen verkauft wurde.

2004 wurden 325 Piratenangriffe auf Schiffe aus 70 Ländern in der Straße von Malakka registriert, und im Jahr 2005 wurde von der Versicherungsagentur Lloyds London die Gefährlichkeit der Straße von Malakka auf dieselbe Stufe wie der Irak gehoben. Die Zahl der Toten ist unbekannt. Man rechnet dort aber pro Jahr mit ca. 100 Toten Besatz- ungsmitglieder durch Piratenangriffe.

Seit 2005 gehen die Marineverbände Thail- ands, Singapurs, Malaysias und Indonesiens gemeinsam gegen die Piraten vor, und die Anzahl der Überfälle sinkt langsam. Dennoch werden dort in Asien immer noch rund 53 Prozent aller Piratenüberfälle begangen.

Die Seeräuber vor Somalia halten derzeit rund 20 Schiffe und fast 300 Geiseln fest. Darunter auch zwei deutsche Schiffe.


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