Trotz Verbotes sind am Montag Hundert- tausende von Mussawi-Anhängern in Tehe- ran auf die Straße gegangen und haben Neuwahlen gefordert. Dabei soll es einen Toten und zwei Verletzte gegeben haben. Mussawi forderte seine Anhänger auf, friedlich zu bleiben. Derweil hat Ajatollah Ali Chamenei, oberster Führer des Irans ange- wiesen, die Vorwürfe des Wahlbetrugs zu überprüfen.
Angeblich hat Amtsinhaber Mahmoud Ahmadenidschad die Präsidentschafts- wahlen am Freitag nach offiziellen Angaben klar gewonnen. Er habe habe 62,6 Prozent der Stimmen erhalten, verkündete das iranische Innenministerium.
Doch damit wollen sich weder sein Heraus- forderer und Gegenkandidat, Mir Hossein Mussawi, noch Hunderttausende von Mus- sawi - Anhänger zufrieden geben. "Ich werde mich dieser gefährlichen Farce nicht beu- gen", teilte Mussawi in einer Erklärung mit.
So kam es am Montag zu einer eindrucks- vollen Demonstration des Veränderungs- willens in Teheran. Die kilometerlange Strecke zwischen Revolutionsplatz und Freiheitsplatz in der Hauptstadt war dicht mit Menschen gefüllt. Die meisten von ihnen - Jugendliche und junge Erwachsene unter 30 Jahren. Sie bilden rund ein Drittel der iranischen Bevölkerung - und lebt meist in den Städten. So ist es kein Wunder, dass sich die Demonstrationen bislang auf Tehe- ran beschränken.
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Mittelpunkt und treibende Kraft dieser De- monstrationen ist die Teheraner Universität. Sie war auch 1979 Ausgangspunkt der Islamischen Revolution des Ayatollah Khomeini. Doch so sehr sich die Studenten und die Jungen Reformen wünschen - es sind nicht die Reformen einer westlichen Welt. Es geht um iranische Werte, nicht um westliche.
Und Hossein Mussawi ist kein Demokrat westlicher Prägung. Er ist ein Konservativer Reformer, der seit 1980 Führunsgpositionen in der iranischen Regierung inne hat. Erwarten kann man von ihm nur eine ganz vorsichtige Öffnung des Iran, vor allem aber weniger Rabulistik und mehr politische Dialogbereitschaft.
Verkennen darf man aber nicht, dass sich im Vorfeld der Wahl im Iran tatsächlich be- merkenswertes tat. Es gab echte TV-Duelle zwischen dem Staatspräsident und seinem Herausforderer. Dabei wurden keine weich- gespülten regimekonformen Nettigkeiten ausgetauscht, sondern knallharte Vorwürfe. Angesprochen wurde auch, dass der Iran aufgrund der ständigen Polemik von Ahma- denidschad als Holocaustleugner dasteht. Welches Land im Nahen Osten hatte vor einer Wahl derartiges erlaubt?
Aber - Mussawi steht für die städtische Elite, nicht für die schweigende Mehrheit und für die Landbevölkerung, die unter der schlechten Wirtschaftslage besonders leidet. |