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Teheran am Wochenende: Mussawi - Führer wider Willen.
21.06.2009
Iran
Auch am Wochenende gab es wieder De- monstrationen auf den Straßen Teherans - und auch Tote. Wieviel, das ist bisher unklar. Die Zahlen gehen weit auseinander, ge- meldet werden zwischen zehn und 300. Nach einer Woche Dauerdemonstration stellt sich die Frage: Wer führt da eigentlich wen? Mus- sawi die Demonstranten oder die Demon- stranten Mussawi?

Die Demonstrationen am Wochenende zei- gen ein janusköpfiges Gesicht: Nachdem es am Samstag gewalttätige Ausschrei- tungen gegeben hat, mit einer unbekannten Anzahl von Toten - CNN meldet 20 Tote - sind die Demonstrationen am Sonntag wohl weit- gehend friedlich verlaufen.

Der iranische Staatspräsident Mahmud Ah- mendinedschad beschuldigte unterdessen die USA, die Demonstranten aufzustacheln. Am Sonntagnachmittag ging Bundeskanzlerin Angela Merkel überraschend vor die Presse und forderte die iranische Regierung auf, Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden. Allerdings - und Fotos scheinen das zu beweisen - sind auch Demonstranten mit Gewehren auf die Straße gegangen.

Wie Augenzeugen berichten, sind am Son- ntag viele Geschäft geschlossen geblieben und die Polizei hatte die Straßen abgeriegelt. Allerdings gab es am Sonntag ein Schießverbot für die Polizei. Das bestätigte der höchste Polizeioffizier in Teheran, Aziz- ollah Rajabpour, gegenüber CNN. Allerdings hatten Demonstranten auch schon an den Vortagen berichtet, dass es entscheidende Unterschiede im Vorgehen zwischen den einzelnen Polizeikräften gegeben habe. Während die normalen Polizisten wohl öfters versucht haben mit den Demonstranten ins Gespräch zu kommen und gebeten haben, dass die Demonstrationen friedlich verlaufen, sind die Sondereinsatzkräfte wohl sofort mit Gewalt vorgegangen.

Am Sonntag wurde auch ein BBC-Journalist des Landes verwiesen, ebenso arabische Korrespondenten. Anderen Journalisten wurde weiterhin die Berichterstattung un- tersagt. Am Sonntag drangen auch Mel- dungen nach Europa, wonach mindestens fünf Verwandte des ehemaligen Präsidenten Rafsanjani verhaftet worden sind. Darunter auch seine Tochter. Das meldete die ir- anische Press TV.

Mittlerweile haben unterschiedliche Ange- hörige der iranischen Regierung verschie- dene Meinungen zu den Vorkommnissen geäußert. Auch der ehemalige Präsident Chatami hatte einen Brief auf seiner Website veröffentlicht, in dem er dazu aufrief, den "Willen und die Ausdrucksform der Menschen auf der Straße zu achten."

Inzwischen aber verdichten sich die Ein- drücke, dass nicht mehr Mussawi die De- monstranten führt, sondern die Demon- stranten Mussawi als Gallionsfigur dulden.
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