Nigerias Norden und auch Süden, die ehemaligen Emirate der Hausa und Sokoto, waren immer wieder Ausgangspunkte islamischer Erneuerungsbewegungen. Der bekannteste "Dschihadist" im 19. Jahr- hundert in Nigeria war der Fulbe Usman dan Fodio, der das Sokoto-Emirat gründete. Die heutigen Muslime Nigerias verstehen sich als Nachfolger Dan Fodios. Das Emirat Sokoto war eines der größten vorkolonialen Reiche in Afrika. Sokoto wurde erst 1903 durch die Franzosen besiegt.
Die Hausa Fulani sind eine Volksgruppe im Norden Nigerias, die im 12. Jahrhundert zur vorherrschenden Macht in der Sahel-Region geworden waren. In einer Serie von "Heiligen Kriegen" wurden die Staaten der Hausa im Norden des heutigen Nigeria in den frühen Jahren des 18. Jahrhundert von den Fulbe besiegt und dem Reich Sokoto eingegliedert. Die nördlichen Hausa wurden bereits im 11 Jahrhundert friedlich islamisiert, durch Kon- takt mit arabischen Händlern.
Durch eine zunehmende Brutalisierung durch korrupte und diktatorische Regime sowie durch einen verheerenden Verarmungs- prozess haben sich zahlreiche Soldaten-Gruppen, aber auch religöse Gruppen in Nigeria gebildet, die mit Waffengewalt ver- suchen Teile des Landes zu beherrschen. Über 2/3 des Landes lebt in absoluter Armut und hat nur ca. 1 Dollar pro Tag zum Über- leben. Mit einer Bevölkerungsentwicklung von 2,3 Prozent dürfte sich das Problem in den nächsten Jahren noch zuspitzen.
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Das Auswärtige Amt warnt deshalb auch vor Reisen nach Nigeria, vor allem vor Reisen in die Bundesstaaten Delta, Bayelsa, Rivers und Akwa Ibom und der vorgelagerten Küstengewässer. In diesen Bundesstaaten besteht ein hohes Anschlags- und Entfüh- rungsrisiko, nicht nur auf dem Festland, sondern auch auf der Küste vorgelagerten Einrichtungen (z.B. Ölbohrplattformen) und auf den Wasserwegen (einschließlich des küstennahen Seegebiets zu Kamerun / Bakassi-Halbinsel).
Welcher Gruppierung die islamischen Rebel- len genau zuzuordnen sind, die am Sonntag die Polizeistationen angriffen, ist noch unklar. Die internationale Presse handelt unter- schiedliche Gruppen, allerdings sollen einige Getötete der Boko-Haram-Gruppe ange- hören. Die Gruppe lehnt ein westliches säkulares Bildungssystem ab und will die Einführung islamischen Rechts (Scharia) in ganz Nigeria. Die Scharia gilt derzeit nur in einigen Bundesstaaten des mehrheitlich islamischen Nordens des Landes, unter anderem in Bauchi.
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