zurück zum Archiv
Neckermann UrlaubsWelt

     |   RSS   |   Suche     
Aktuelles Washington Weekly Hintergrund 
StartAuslandAktuelles
Aktuelles
Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken Diesen Artikel weiterempfehlen Diesen Artikel weiterempfehlen
Helden und Handlager- Journalisten in Russland
11.09.2009
Reporter ohne Grenzen
Was bedeutet Pressefreiheit in einem Land, in dem unerwünschte Meinungen in extremen Fällen mit dem Tod bestraft werden? Welche Möglichkeiten ihre Arbeit zu tun, bleiben den Journalisten überhaupt noch übrig? Um diese Fragen geht es im neuen Bericht der Reporter ohne Grenzen: „Helden und Handlanger. Die Arbeit von Journalisten und Medien in den russischen Regionen." Der wurde am Donnerstag in Berlin vorgestellt. Unsere Gastautorin Wiebke Schick war auf der Pressekonferenz.

Eines stellten Moritz Gathmann, Koordinator und Rechercheur für den ROG-Atlas, und Gemma Pörzgen, Mitglied des ROG-Vorstands, gleich zu Anfang klar: der provokative Titel dient nicht der Diskreditierung der Kollegen, die schließlich für ihre Arbeitsbedingungen nichts können, sondern soll vielmehr das Spannungsfeld verdeutlichen, in dem sich der russische Journalismus befindet. Sieben deutsche Redakteure, die längere Zeit in Russland gelebt und sich wissenschaftlich mit der Situation der Medienberichterstattung aus- einander gesetzt haben, sind für diese Studie in jeweils ein bestimmtes Gebiet gefahren, haben dort einige Tage verbracht und Redakteure, Verlagsinhaber und Journalisten interviewt, sich aber auch selbst einen Blick über die dortige Berichterstattung verschafft.

Bei den ausgewählten russischen Regionen handelt es sich um sonst medial eher unbekannte, so sollte die Vielfalt des russischen Landes widergespiegelt werden. Als Präsident Dmitri Medwedew kurz nach
seinem Amtsantritt 2008 die von Putin geplante Verschärfungen des Medienge- setzes verhinderte, löste das eine Welle der Hoffnung in Russland aus: Hoffnung auf freie Meinungsäußerung, Hoffnung auf die kritische Auseinandersetzung mit unange- nehmen Themen wie der omnipräsenten Korruption und der Situation in Krisen- gebieten. Doch davon ist bisher nicht viel zu spüren.

Macht und Beeinflussungsmöglichkeiten von Politik und Wirtschaft sind immens: zwar existieren oft mehrere Tageszeitungen- in Serpuchow zum Beispiel, einem Gebiet in der Nähe Moskaus gibt es 12- doch gehören die einigen wenigen Verlagshäusern. Diese wiederum befinden sich im Besitz weniger Oligarchen, nicht selten ist der wirkliche Eigentümer unbekannt, und das jeweilige Medium dient vor allem zweierlei: der Image-Pflege und dem Sakasucha, der Diskreditierung von Gegnern auf Bestellung. Teilweise ist nicht einmal den Journalisten bewusst, dass ihre Arbeit nicht so sehr Berichterstattung sondern vielmehr Werbung ist.

Vor allem bei den jüngeren Journalisten, so Gatzmann, ist dies der Fall. Die älteren unter ihnen, die noch miterlebt haben, wie Pressearbeit in Russland vor dem „Sün- denfall“ aussah, vor der Instrument- alisierung der Medien für die Wiederwahl Jelzins im Jahr 1996, leiden dagegen unter den Einschränkungen. Wer sich auflehnt, ist in Gefahr: Mikail Beketo, Chefredakteur einer Zeitung im Umfeld von Moskau musste ein Bein amputiert
1  2   > weiter
1 Kommentar
 
1) "Diese wiederum befinden sich im Besitz weniger Oligarchen, nicht selten ist der wirkliche Eigentümer unbekannt, und das jeweilige Medium dient vor allem zweierlei: der Image-Pflege und dem Sakasucha, der Diskreditierung von Gegnern auf Bestellung"

Sorry, aber das ist bei uns im "freien" Westen nicht anders
Kommentar von Philipp | 11.09.2009 @ 15.39 Uhr
 
Einen Kommentar hinterlassen:  (Bitte alle Felder ausfüllen!)
 
Name:
 
E-Mail:
 
Kommentar:
 
Spam-Schutz: 
 
Ausland - Aktuelles
Aktuelles
Rubrikartikel
Athen: Europa ist noch nicht am Ende. Hoffnung ist im kleinsten Dorf.  ...mehr
Krieg in Libyen ...mehr
Japan - nur noch Katastrophenmeldungen ...mehr
Japan: Neuer Reaktor vor Explosion ...mehr
Japan: keine Lehren aus Tschernobyl ...mehr


Aktuelleszum Archiv