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Einige deutsche Zeitungen hatten es durch- aus gemeldet: Aus einem US-Hub- schrauber heraus soll ein hochrangiges Al-Qaida-Mitglied in Somalia getötet worden sein. Davon abgesehen, dass man sich an solche "Menschenjagden" per Hubschrauber schon gewöhnt zu haben scheint, blitzt hier auch nochmals der vergessene Krieg in Somalia auf. Einblicke in ein dunkles Eck von Afrika.
Somalia wurde von der Weltöffentlichkeit auf- gegeben und kommt erst dann wieder ins Bewußtsein, wenn dort Piraten gefangen oder mögliche Terroristen getötet werden. An- sonsten herrscht Medienstille. Ein Fehler, wie sich herausstellen könnte, denn auf die Tötung des vermutlichen Al-Quaida Terrori- sten, Saleh Ali Saleh Nabhan, durch US-Soldaten, haben die Somalis Rache ange- kündigt.
Zuerst zur Person: Saleh Ali Saleh soll bei den Anschlägen auf ein Hotel und ein isra- elisches Flugzeug in Kenya im Jahr 2002 beteligt gewesen sein. Es wurde ange- nommen, dass er nach den Anschlägen nach Somalia geflohen ist und dort Unter- schlupf bei der Shabab-Gruppe fand, die, so meldet es die BBC, eine Untergruppe von Al-Qaida in Somalia sein soll.
Nun wirkt Somalia in den Mediendarstel- lungen des Westens wie ein großer dunkler Fleck auf der Landkarte, der vor allem von sich bekämpfenden Clans und Terrori- sten gefüllt ist. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Es gibt selbstverständlich in Somalia Zivilbevölkerung, oder, um es gleich zu sagen, Opfer, die versuchen zwischen den Rivalitäten der Clans und den Angriffen der US-Militärs irgendwie zu überleben. Fast ohne internationale Hilfe. Nur Mitarbeiter des UN-Welternährungsprogramms versuchen unter widrigsten Bedingungen Nahrung für 3,5 Millionen Somalis herbei zu schaffen.
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Mehrere hunderttausend Somalis sind innerhalb des Landes auf der Flucht, und die glücklicheren von ihnen haben es über die Grenze ins benachbarte Eritrea geschafft. Viele sind vor den letzten Kämpfen aus der Hauptstadt Mogadischu nach Norden, nach Dusamareb geflohen. Dort versucht die Sufi-Gruppe der Ahlu Sunna, den islamischen Eiferern der Shabab Widerstand zu leisten.
Doch neben dem immensen Flüchtlings- problem kämpft das Land noch mit einem anderen: Im Gegensatz zu Westafrika, blieb die Regenzeit in Ostafrika nämlich bislang aus. Neben den Flüchtlingen jetzt auch noch die Dürre. Die Nahrungsmittel werden so für alle knapp. Und das in einem Land, das als das gefährlichste der Welt gilt. Hilfs- organisationen bleiben deshalb aus, die ganze Arbeit versucht die UN zu machen.
Vier Mitarbeiter des UN-Hilfsprogramms aber sind seit letzten August in Somalia erschos- sen worden, wahrscheinlich von paki- stanischen Freiwilligen, die in Somalia von der Al-Quaida ausgebildet werden. Das vermutet zumindest der Direktor des UN-Programms in Somalia, Dan Browne. Er befürchtet auch, dass nach dem neusten US-Angriff, die Vergeltung der Somalis seinen Mitarbeitern gelten könnte.
Es ist nicht der erste "Air-Raid", "Luftangriff" per Helikopter auf einzelne Personen, den die USA in Somalia ausgeführt haben. Bereits im Mai 2008 wurde durch einen solchen Angriff der militärische Führer von Shabab getötet. Allerdings wachsen für einen getöteten An- führer - wie bei einer Hydra - gleich zehn Freiwillige nach. Die US-Strategie der gezielten Menschentötung steht deshalb vor allem auch innerhalb Somalias in der Kritik. Eine nachhaltige Veränderung der Ver- hältnisse im Land wird dieses Strategie nämlich nicht bringen, dafür aber mehr Gewalt und Leiden für die Zivilisten.
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