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USA wollen mehr Truppen nach Afghanistan
25.11.2009
Endlos
Wie die New York Times meldet, will US-Prösident Obama bis zu 30 000 weitere US-Soldaten nach Afghanistan schicken. Voraussichtlich will Obama seine neuen Afghanistan Pläne am kommenden Dienstag der Öffentlichkeit vorstellen, so die New York Times weiter.

Das Blatt ist gewöhnlich gut informiert, deshalb kann man davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass US-Präsident Obama nächsten Dinestag genau das ankündigen wird.

Auslöser dieser Entscheidung war sicher nicht alleine die Anschlagsserie, die Afghanistan in den letzten zwei Wochen erneut erschüttert hat. Dabei kamen wieder einmal rund 20 Menschen ums Leben. Der Hintergrund für Barack Obama dürfte eher die generelle Einsicht sein, dass die Sicherheitslage im Land auch in nunmehr acht Jahren nicht in den Griff zu bekommen ist und die Taliban teilweise auch bis weit nach Pakistan hinein operieren.

Es stellt sich aber die Frage, ob damit gut wird, was schlecht begonnen hat? das darf angesicht der Erfahrungen aus acht Jahren Militäreinsatz am Hindukusch bezweifelt werden. Ein kohärentes, abgestimmtes und stimmiges Sicherheits- und Aufbaukonzept für das Land gibt es nicht. Zwar sind sich mittlerweile die Europäer weitgehend einig, dass die Sicherheit in Afghanistan auch in afghanische Hände gelegt werden soll, aber was das letztlich bedeutet, das vermag momentan niemand abzusehen.

Zwar will die Regierung in Kabul die afghanischen Polizei- und Militärkräfte auf 400.000 Mann ausbauen, das wäre mehr als doppelt soviel wie bisher angestrebt. Doch angesichts der schleichenden Fortschritte bei der Ausbildung dieser Regierungskräfte, der schlechten Bezahlung, der politischen Korruption und dem weitgehend rechtsfreien Raum außerhalb der Hauptstadt Kabul, dürften diese Truppen entweder schnell auseinanderfallen, oder sich zu marodierenden und plündernden Einheiten zusammenschließen und außerdem die Korruptionsdichte im Land erheblich verstärken. Sicherheit aber sieht anders aus.

Die mittlerweile ungewöhnlich kritischen Briten habe in dieser Woche offiziell durch ihren Außenminister verkündet, dass sich die afghanische Regierung ohne NATO-Hilfe nicht werde halten können. David Milliband sagte wörtlich:" Wenn die internationalen Truppen abziehen sollten, könnten Sie sich einen Zeitraum aussuchen - fünf Minuten, 24 Stunden oder sieben Tage - aber die aufständischen Kräfte würden die Kräfte überrennen, die zum Widerstand bereit wären".

Mit der geplanten Truppen-Aufstockung wollen die USA aber auch Druck auf ihre Verbündeten ausüben, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Präsident Barack Obama erwarte ein stärkeres Engagement der NATO- Partner, sagte Pentagonsprecher Geoff Morrell am Dienstag in Washington.

Am Montag hatte Obama mit Vizepräsident Joe Biden, Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates zwei Stunden lang über die Forderung des Militärs beraten, die Zahl der US-Soldaten am Hindukusch um bis zu 40.000 aufzustocken. Seit mehreren Wochen fordert das US-Militär in Afghanistan eine weitere Truppenausftockung. Doch wie ein US-berater sagte:"Generäle fordern immer mehr Soldaten. Das ist ihr Job". Und es ist der Job des Präsidenten darüber nachzudenken, ob diese Forderungen sinnvoll sind.

Besonders angesichts der sowjetischen Protokolle zum Afghanistan Krieg von 1986, die jetzt veröffentlicht wurden. Da heißt es beispielsweise am 13. November 1986:" Wir kontrollieren Kabul und die Provinzhauptstädte, aber wir schaffen es nicht, in den besetzten Gebieten unsere Herrschaft zu etablieren. Wir haben den Kampf um die afghanische Bevölkerung verloren."

Den Sowjets war es damals trotz milliardenschwerer Hilfe nicht gelungen, die Lebensbedingungen der afghanischen Bevölkerung zu verbessern, weil die Gelder von korrupten Eliten unterschlagen wurden. "1981 haben wir ihnen hundert Millionen Rubel gegeben, die alle bei der Oberschicht landeten", antwortete Marschall Sergei Sokolov in der Debatte über neue Forderungen der Afghanen, "in den Dörfern gibt es nichts, nicht einmal Streichhölzer oder Kerosin".

Erschreckend, wie aktuell diese Aussagen sind. Und interessant, dass die sowjetischen Protokolle ausgerechnet vom US-National Security Archive ins Netz gestellt wurden. Ein Wink mit dem Zaunpfahl an Obama?

Derzeit sind in Afghanistan rund 110.000 ausländische Soldaten im Einsatz. Die USA stellen mit 68.000 Mann das größte Kontingent. Die Bundeswehr hat mehr als 4000 Kräfte im Einsatz.



Isabella PfaffIsabella Pfaff, pfaff@tagesblick.de
Journalistin
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