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Streiche Irak - Setze Afghanistan
03.12.2009
Mehr Soldaten
Die Strategie ist bekannt - aus dem Irak-Krieg. Dort wurden "zum Ende" des Krieges die US-Truppenzahl enorm erhöht, das hat wiederum zur Beruhigung des Landes beigetragen. Die Mehrzahl der Soldaten konnten abgezogen werden. Das ist jetzt die Strategie für Afghanistan. Präsident Obama hat 30 000 weitere Soldaten angekündigt - und auch deren Abzug nach 18 Monaten.

Nun also doch: Wie die New York Times vor zwei Wochen gemeldet hatte, will US-Präsident Barack Obama nun 30 000 weitere Soldaten nach Afghanistan schicken. Das sagte der US-Präsident am Dienstag in seiner lang erwarteten Rede zur Situation in Afghanistan. Überraschenderweiser gab er auch gleichzeitig schon den Zeitpunkt des geplanten Truppenabzuges bekannt: Nach 18 Monaten will er die Lage am Hindukusch so weit beruhigt haben, dass die US-Truppen wieder nach Hause geholt werden können.

Obamas Kritiker, darunter John McCaine von den Republikanern, warfen ihm deshalb vor, den gewünschten militärischen Sieg leicht- fertig zu gefährden, denn die Taliban müs- sten ja jetzt nur 18 Monate in Ruhe abwarten, bis die USA ihre Truppen nach Hause holen, um dann den Krieg fort- zusetzen. Auch ehemalige Militärberater hielten es für einen Fehler, den Zeitpunkt des Truppenabzuges bereits bekannt zu geben.

Doch Barack Obama steckt in einem Dilem- ma: Sein Land ist kriegsmüde, die Kritik am Afghanistan-Einsatz in den USA wächst und der Glaube an einen Sieg über die Taliban schrumpft. Auch die NATO-Verbündeten wollen nur noch Eines: Raus aus Afgha- nistan. Eine bloße Ankündigung einer Truppenaufstockung wäre für das innen- politische Klima genauso schädlich ge- wesen, wie nun die Ankündigung mit einem Abzugsdatum.

Und schließlich will Obama auch noch am 10. Dezember offiziell den Friedensnobel- preis in Stockholm entgegen nehmen. Da macht sich eine Ankündigung einer Trup- penaufstockung mit einem Abzugsdatum wesentlich besser als nur eine Truppen- aufstockung.

Mit dieser Ankündigung vom Dienstag aber setzt nun Obama die Europäer unter Druck. Zwar wird am Donnerstag und Freitag der Bundestag über eine Verlängerung des Afghanistan-Mandates entscheiden, doch die Frage nach einer Entsendung von weiteren deutschen Soldaten bleibt erst mal aus- geklammert. Die soll erst im Januar the- matisiert werden. Schließlich steht Weih- nachten vor der Tür. Wer will da den Deutschen schon Abmarschbefehle für Afghanistan zumuten?

Allerdings hat NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Mittwoch als Reaktion auf die Rede Obamas bereits die Ent- sendung von mindestens 5000 zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan angekündigt. Es ist noch unklar, welches Land wieviele Soldaten aufstocken wird. Rasmussen sagte nur, dass alle Länder "mehr tun müssen".

In Deutschland trifft die Rede von Obama auch auf eine aufgeheizte innenpolitische Diskussion um die Bombardierung zweier LKW durch die Bundeswehr in Kundus. Dabei gab es ein Dutzend zivile Opfer. Am Mittwoch wurde deshalb von allen Fraktionen beschlossen, dass sich der Verteidigungs- ausschuss des Bundestags zum Unter- suchungsausschuss umwandeln und den umstrittenen Luftangriff aufklären wird. Für die neue Regierung wird also eine mögliche Truppenaufstockung der Bundes- wehr im Januar zu einer harten Bewährungsprobe.









Isabella PfaffIsabella Pfaff, pfaff@tagesblick.de
Journalistin
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