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Klimasekretariats Yvo de Boer versucht im Gespräch mit den NGOs zu beschwichtigen: „Es sind einfach zu viele, ich musste Prioritäten setzen“. Doch es beschleicht einen dann doch der Verdacht, dass das Klimasekretariat bei solch einem kritischen Stand der Verhandlungen ganz gerne Ruhe im Konferenzzentrum haben will.

Und kritisch ist er, der Stand der Verhand- lungen. Am Vormittag ist die bisherige Verhandlungsführerin Connie Hedegaard zurückgetreten und hat ihre Amtsgeschäfte dem dänischen Ministerpräsi- denten Lars Løkke Rasmussen übertragen. Zwar ist die offizielle Begründung, dass von nun an die Staats- und Regierungschefs verhandeln und deshalb ein Verhandlungsführer selbst- verständlich ein Regierungschef sein müsse, doch in der Summe der Ereignisse der letzten Tage: kein gutes Zeichen.

Zwar liegt mittlerweile wieder ein Verhand- lungspapier vor, allerdings sind die wichtigen und relevanten Zahlen immer noch aus- geklammert. Ob sich die Staats- und Regierungschefs in der kurzen Zeit doch- noch auf verbindliche Zahlen einigen können, ist fraglich. Heute haben die afrikanischen Staaten signalisiert, dass sie mit den bisherigen Vorschlägen zur Finanzierung der Klimaschutzhilfe zufrieden sein könnten. Innerhalb der Europäischen Union versucht man die Wogen zu glätten und bekräftigt stündlich aufs Neue sein angestrebtes Reduktionsziel von 30 Prozent.

Doch noch sind die USA und China die beiden Staaten, die sich am unversöhn- lichsten gegenüber stehen. China will sich nur dann auf verbindliche Reduk- tionszahlen festlegen, wenn die USA ambitionierte Ziele bis 2020 auf den Tisch legt. Die USA aber werden nur dann mehr als ihre bisherigen vier Prozent reduzieren, wenn die Chinesen sich verbindlich verpflichten. Jedes Schulkind erkennt hier das paradoxe und mit logischen Mitteln unlösbare Problem; an der Universität nennt man das „Spieltheorie“, hier in Kopenhagen heißt das „Verhandlungen führen“.


Kerstin Spriesterbach berichtet für tagesblick.de aus Kopenhagen
Kerstin Spriesterbach berichtet für tagesblick.de aus Kopenhagen

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