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Nach den beiden Auftritten ist die Ent- täuschung riesig - nicht nur die kritischen Umweltverbände sprechen von einem Desaster. Wissenschaftler und langjährige Kenner der Konferenz-Szene reden vom Sargnagel des gesamten internationalen Klimaschutz-Prozesses. Zwar bemüht man sich um Schadensbegrenzung. 30 Sta- atschefs erarbeiten ein Abschlusspapier, in dem Grundsätze für ein rechtlich ver- bindliches Abkommen festgeschrieben werden sollen. Eigentlich wollte man in Kopenhagen schon rechtlich verbindliches Abkommen ausgearbeitet haben, aber an- gesichts der mangelnden politischen Konsensfähigkeit ist es fraglich, ob man nun - so wie vorgesehen - im nächsten Jahr ein unterschriftsreifes Abkommen vorliegen kann.

Doch egal, was die nächsten Stunden im Bella-Center noch bringen werden, die Konferenz in Kopenhagen hat den Be- mühungen der internationalen Klimaschutz- politik Schaden zugefügt. Die unver- hältnismäßige Reaktion der dänischen Polizei auf größtenteils friedliche Proteste. Der restriktive Ausschluss der Zivilge- sellschaft, die bis heute immer ein stärkender Pfeiler für die Klimaschutz- architektur war. Und natürlich die Deutlichkeit mit der hier in Kopenhagen einige wenige Länder die Verhandlungen dominieren. Unübersehbar ist, wie ein Großteil der Länder hier zu Verhandlungs-Statisten de- gradiert werden.

In einem Gespräch mit Abgeordneten aus Guatemala berichtet die Klimaberaterin des Umweltministers, Alejandra Sobenes, dass bei dieser Konferenz Guatemala mit der größten Delegation seit Beginn der Klima- verhandlungen angereist ist:
Abgeordnete, Minister und seine Berater, Vertreter aus der Wirtschaft und selbst- verständlich auch Vertreter von Umwelt- verbänden. Im Vorfeld gab mehrere Runde Tische mit der Zivilgesellschaft, das Land hat sich vorbereitet. Angesichts der Armut des Landes nicht unbedingt eine Selbstver- ständlichkeit. Doch das alles hat hier in Kopenhagen keine Rolle gespielt. Guatemala gehört zu den Ländern, die am deutlichsten unter dem Klimawandel leiden werden. Hat auch keine Rolle gespielt.

Eine Rolle spielen aber Wahlen in ein paar Bundesstaaten im Mittelwesten, Arbeits- plätze, Fünf-Jahres-Pläne und vor allem ein Kräftemessen zwischen den beiden größten Wirtschaftsnationen der Welt. Der brasili- anische Präsident Lula da Silva formulierte es etwas anders: „Mal ehrlich: Bei den Gesprächen mit 30 anderen Staatschefs gestern Nacht habe ich mich an meine Zeit als Gewerkschaftsführer bei Verhandlungen mit den Wirtschaftsbossen erinnert gefühlt.“ Kerstin Spriesterbach für tagesblick.de aus Kopenhagen
Kerstin Spriesterbach für tagesblick.de aus Kopenhagen

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