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Ein Hoch auf Mrs. Robinson
12.01.2010
Moral & Scheinheiligkeit
We'd like to know a little bit about you. For our files. It's a little secret. Just the Robinsons' affair.... das sangen 1968 Simon and Gar- funkel. Es war der Song zum Film "Die Reifeprüfung" mit Dustin Hofmann, der als 19jähriger von einer älteren Frau, Mrs. Robinson, verführt wurde. Und manchmal werden Filme Wirklichkeit. So in Irland, wo die 60-Jährige Mrs. Iris Robinson, Frau des Regierungschefs, eine Affäre mit dem 19- Jährigen Kirk M. hatte.

Nordirland ist katholisch. Schwer katholisch. So katholisch, dass dort seit Jahren eine Affäre um mißbrauchte Heimkinder durch katholische Priester die nächste jagt. So katholisch, dass der Sohn des bekanntesten IRA-Führeres, Gerry Adams Junior, vor kurzem zugab, dass sein Vater die eigenen Kinder missbraucht und sein Bruder Liam diese Familientragödie in der eigenen Familie wiederholte und ebenfalls seine Kinder mißbraucht hatte.

Nordirland ist so katholisch, dass dort Ab- treibungen verboten sind; so katholisch, dass dort die Pille nur an verheiratete Frauen abgegeben werden darf und Kondome erst ab 18 erhältlich sind.

In diesem Nordirland geht die Frau des Regierungschefs, Iris Robinson, mit einem 19-Jährigen jungen Mann ins Bett und hat eine Affäre! Hurra, ein Hoch auf Mrs. Robinson und ihren Liebhaber, die beide die scheinheilige Moral Nordirlands ans Tages- licht gezerrt haben.
Dabei ist es ganz egal, dass Mrs. Robinson protestantisch ist. Die Protestanten Nord- irlands verteidigen nicht nur ihre Häuser- zeilen in Belfast, sondern auch Moral und Sitte ähnlich fundamentalistisch wie die Katholiken.

Sie galten als Musterpaar, Mrs. Robinson und ihr Mann, Peter Robinson, Irlands Regi- erungschef und Mitgleid der DUP, der protestantischen Partei Nordirlands. Auch das war, wie sovieles in Nordirland nur Schein. Hinter den Kulissen taten sich familiäre Abgründe auf. So hatte Peter Robinson, wie die Welt am Dienstag schreibt, seine Frau Iris wenige Stunden nach einem Selbstmordversuch verlassen um zu einer planmäßigen Debatte ins Parlament zu gehen. Die medizinische Betreuung seiner Frau trug er einem Freund auf. Seine Frau war bereits längere Zeit depressiv.

Peter Robinson hat am Montagabend an- gekündigt, sein Regierungsamt für sechs Wochen ruhen zu lassen. Anlass dazu war keineswegs nur das amouröse Abenteuer seiner Frau, sondern dass diese ihrem Liebhaber auch noch Geld zugeschanzt hatte, damit dieser ein Kaffee eröffnen konnte. Von Untreue ist die Rede, und dass der Regierungschef dieses zu vertuschen ver- sucht habe.

Nach jahrhundertelang erduldeter bigotter Moral, scheint die Affäre Robinson derzeit aber eher wie eine Befreiung auf die Nordiren zu wirken. Im neu eröffneten Kaffee des
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