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Die schlichten Fakten sind die: Am Dienstag- nachmittag erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,0 Haiti. Die Regierung Haitis rechnet mit bis zu Hunderttausend Toten. Eine Ka- tastrophe - aber die gabs in Haiti auch schon vorher.
Wer je in Haiti war, wird das sein Leben lang nicht vergessen. Es gibt Armut, und es gibt würdelose Armut. Und dann gibt es da noch Haiti. Es ist ein Blick in die Hölle. Haiti be- weist - Es gibt tatsächlich eine Hölle vor dem Tod, und man kann sogar darin exi- stieren. Und 9 Millionen Menschen werden jeden Tag gezwungen das zu tun. Eingesperrt auf einer Inselhälfte, die schlicht "abgewrackt" ist. Ohne Entkommen. Aber was schlimmer ist, ohne jede vernünftige Hilfe.
Wenn je eine Naturkatastrophe etwas Gutes hatte, wenn hoffentlich tausende von Men- schen nicht umsonst gestorben sind, wenn man es überhaupt angesichts der Kata- strophe sagen darf, dann ist das Gute daran, dass die Welt jetzt endlich auf Haiti auf- merksam wird und hilft.
Wer nicht direkt nach Port-au-Prince fliegt, der hat die Gelegenheit bei einem Aufenthalt in der Dominikanischen Republik auch einen Abstecher ins Nachbarland nach Haiti zu machen. Zu empfehlen ist das nicht, denn es hinterlässt bleibende Schäden, zumal bei Bürgen aus Europa. Kommend also aus der Dominikanische Republik, auch nicht gerade einer der führenden Wohfahrtsstaaten und Motor der Weltwirtschaft, ist aber der Grenz- übertritt nach Haiti ein Schock bis hin zum absoluten Trauma. Für soviel Unbe- schreibliches gibt es keinen Vergleich, gibt es kein Bild.
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Die mit Gras und Margarine versetzten Sand- kuchen, die dort gebacken werden und die die Hungerbäuche immerhin mit Mineralien und Spurenelementen anreichern, nicht aber mit einer einzigen Kalorie oder Eiweiß, sind mittlerweile weltbekannt. Die abgehezten, ausdruckslosen, brutale und versteinerten Gesicher, die Körper die nur aus Sehnen bestehen und auch nur dadurch notdürftig zu- sammengehalten werden, schlagen wie eine Mauer lebender Toter dem Besucher ins Gesicht.
Jedes Mitgefühl, so scheint es, jedes Lachen, jede liebevolle Regung ist in Haiti schon lange zu Tode getragen worden. Von kor- rupten kleinen schmierigen Diktatoren mit US-Unterstützung, von animalisch sadistischen Ton Ton Macoutes, der Geheimpolizei des legendären Papa Doc und seines Sohnes, Baby Doc, von einer sich selbst auf- zehrenden, weil jahrundertelang ausge- beuteten Natur, von teilnahmsloser US-Politik und neuerdings auch von der Rausch- giftmafia.
Die wenigen Ziegen dort fressen Pappe in Ermangelung von Gras; die Kinder auch. Wahrscheinlich haben Generationen von un- terernährter Vorfahren diesen Kindern ebenfalls das "Ziegen-Gen" geschenkt, das erlaubt, dass die Ziegen aus der zu Pappe gepresster Zellulose tatsächlich noch ver- wertbare Nährstoffe lösen können.
Jetzt also, nach Jahren der Zerstörung durch Hurricanes (2008) oder Überschwem- mungen (2004), war 2009 ein ruhiges Jahr und die Haitianer hatten etwas Hoffnung für 2010. |
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