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Dann das Erdbeben, das die Innenstadt, den Präsidentenpalast und auch die Unterkunft der UN-Truppen in Port-aus-Prince gleicher- maßen zerstörte. Wie es im Umland aus- sieht, weiß noch niemand.

Jetzt also liegen auf den meterhohen, zum Erbrechen stinkenden Müllbergen auf den "Hauptstraßen" hunderte von Leichen. Selbst Premierminister Rene Preval musste über Leichen steigen, um aus dem Palast ins Freie zu kommen. Es ist angesichts der Zustände in Haiti schwer nicht zynisch, ja makaber zu werden: Aber es ist wie unter Papa Doc: Auch da wurden die Leichen der Gefolterten und Ermordeten frühmorgens immer mitten auf die Müllberge der Hauptstadt geschmissen. Damit sie jeder sehen konnte. Und jeder sah sie. Jetzt liegen da wieder Menschen, die, in Ermangelung jeder, auch winzigsten Hilfe, sich verletzt oder einfach nur zum Schlafen und Leben auf die nackte Straße legen müssen. Die Fern- sehbilder davon sind nur schwer erträglich.

Krankenwägen? Feuerwehr? Katastrophen- dienste? Polizei? Militär? Niemand, nicht ein einziges Fahrzeug ist auf den Straßen der Insel unterwegs um irgend jemanden Hilfe zu bringen. Die Menschen liegen und leben, oder liegen und sterben. Das unterscheidet die Katastrophenzeit nicht von der Zeit vor der Katastrophe. Es ist so grotesk und erbärm- lich: Durch die Straßen von Port-au-Prince schieben sich Menschenmassen zu Fuß, eine Völkerwanderung ohne Ziel und Plan und ohne Hilfe.
Die Hügel rauf oder runter, schauen wer von der Familie noch lebt. Geholfen wird nur dem nächsten Angehörigen, zu mehr reicht die eigene Kraft nicht.

Die Agenturen melden, dass das Telefonnetz, das Stromnetz sowie die Wasserversorgung in Haiti zusammengebrochen sei. Vielleicht gehört das dazu, dass man das meldet. Doch es besagt nichts über den Zerstörungsgrad des Landes. Das ist eine Nachricht, die mit dem realen Leben von 99 Pozent der Hai- tianer nichts zu tun hat. Sie wissen gar nicht, was das ist, eine Telefonleitung.

Haiti ist der ärmste Staat in Lateinamerika und einer der ärmsten der Welt. Doch Haiti ist mehr. Es ist ein unzulässiger Laborversuch am lebenden Menschen, eingeperrt auf 27 000 Quadratkilometer trostlosem Land. Und alle schauten zu. So ist diese Katastrophe - leider - das Beste was diesem Staat passieren konnte.

Denn wie schon Nietzsche sagte, wenn man zu lange in einen Abgrund schaut, schaut dieser auch in dich hinein. Mehr kann man zu Haiti nicht sagen.
Isabella PfaffIsabella Pfaff, pfaff@tagesblick.de
Journalistin
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1 Kommentar
 
1) Bildungsverlage präsentieren Materialien zum Erbeben in Haiti - Reinerlös wird Spende

www.Netzwerk-Lernen.de - die Internetplattform für mehr als 70 deutsche Bildungsverlage - hat damit begonnen Unterrichtsmaterialien über das verheerende Beben in Haiti zu erstellen und ermöglicht es dadurch, dieses schwere Thema im Elternhaus und Schule mit den Kindern zu behandeln.
Über die Medien sind die Ereignisse vielfach auch den Schülern bereits präsent und viele Lehrkräfte sehen sich in der Situation, Ursachen und Folgen der Katastrophe relativ spontan im Unterricht zu behandeln.
Wie zuvor schon bei Ereignissen wie dem Tsunami oder dem Amoklauf von Winnenden wird der komplette Kaufpreis dieser Materialien von Netzwerk-Lernen.de der Hilfsorganisation Oxfam zweckgebunden gespendet.

Link:
www.netzwerk-lernen.de/index.php?screen=dstore.webshop.category&Search=Oxfam
Kommentar von Wenke Zerteln | 16.01.2010 @ 17.41 Uhr
 
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