Beim Anflug auf den russischen Flughafen Smolensk ist die Maschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski am Samstag- morgen abgestürzt. Der Präsident, seine Frau und weitere 84 Fluggäste wurden dabei getötet. In der polnischen Hauptstadt War- schau wurde eine Woche Staatstrauer angeordnet.
Ersten Analysen zufolge soll in Smolensk dichter Nebel geherrscht haben und der Pilot der Unglücksmaschine soll bereits den vierten Anflug auf den Flughafen versucht haben. Smolensk hat keine technische Landehilfe für schlechtes Wetter. Warum der Pilot vier Versuche unternommen hat und nicht, wie es Pilotenregel ist, nach dem zweiten mißglückten Versuch abgebrochen hat und versucht hat auf einem anderen Flughafen zu landen ist derzeit unklar.
Das Flugzeug hat wohl beim letzten Anflug Bäume gestreift und ging in Flammen auf. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie auch Außenminister Guido Westerwelle haben den Polen ihr Mitgefühl ausgedrückt. "Ganz Deutschland steht in dieser schweren Stunde in Mitgefühl und Solidarität an Ihrer und der Seite Polens", schrieb Bundes- kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag in einem Kondolenzschreiben an den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk. Donald Tusk hat derzeit die Amtsgeschäfte übernommen.
Besonders tragisch an diesem Unglück ist, dass der Besuch in Russland eigentlich die große Stunde der Versöhnung sein sollte. Präsident Kaczynski war mit einer polnischen Delegation auf dem Weg zu einer Gedenk- feier für die Ermordung polnischer Offiziere durch den sowjetischen Geheim- dienst vor 70 Jahren im russischen Katyn.
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In Katyn wurde von 70 Jahren bereits einmal die polnische Elite von den Russen ermordet. So sehen es die Polen und deshalb ist Katyn für sie eine Ort besonderer Symbolkraft. So ist es nicht ganz ohne Beigeschmak, wenn der ehemalige polnische Präsident Lech Walensa in einer ersten Stellungnahme am Samstag sagte, bei diesem Unglück sei wiederum die "polnische Elite" ums Leben gekommen.
Beim Massaker von Katyn wurden 1940 mehrere tausend, wahrscheinlich rund 4500 polnische Offiziere durch den stalinistischen Geheimdienst ermordet. Insgesamt wurden auf Anweisung Stalins damals rund 22 000 polnische Führungskräfte in Weißrussland und der Ukraine ermordet. Sie sollen sich angeblich "konterrevolutionäre Kräfte" ge- wesen sein.
Erst 1990 bekannte sich Russland unter Gorbatschow zu diesen Massakern, die lange Zeit der deutschen Wehrmacht zuge- schrieben wurden. Katyn und die darauf folgenden Säuberungsaktionen blieben immer eine wunder Punkt in den polnisch-russischen Beziehungen. Das sollte nun mit einer gemeinsamen Trauerfeier für die Toten von Katyn geändert werden.
Mit in der Maschine am Samstag saßen unter anderem auch der Notenbank-Chef Slawomir Skrzypek, der stellvertretende Parlaments- präsident Jerzy Szmajdzinski und wichtige Politiker der nationalkonservativen Oppo- sitionspartei PiS. Wie ein russischer Menschenrechtler am Samstag sagte:"Über Katyn liege für die Polen offenbar ein Fluch".
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