Zehntausende von Polen haben am Sonn- tagnachmittag die Straßen gesäumt. Sie alle haben auf den Sarg gewartet, in dem Präsident Lech Kaczynski vom russischen Katyn wieder nach Polen gebracht wurde. Gegen 15.30h Orstzeit erreichte der Sarg den Flughafen von Warschau, wurde dort mit allen Ehren empfangen und anschließend durch die Straßen der Stadt zum Präsidentenpalast gebracht.
Blumen und Kerzen, Kerzen und Blumen und davor tausende von Menschen. So zeigte sich der Platz vor dem Präsidentenpalast am Sonntagnachmittag. Die ersten Polen waren bereits seit dem frühen Morgen unterwegs um ihrem toten Präsidenten die letzte Ehre zu werweisen. Dessen Sarg traf am Sonntag- nachmittag gegen 15.30h Ortszeit ein. Zuvor war er vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem polnischen Botschafter in Russland auf dem Flughafen von Smolensk mit Blumen verabschiedet worden.
Der Tod Lech Kaczynskis eint derzeit die polnische Nation. Zu Lebzeiten aber war der erzkonservative Kaczynski alles andere als überall beliebt. Er hatte mit seinen, oft übers Ziel schießenden öffentlichen Bemerkungen, viel innen- und außenpolitisches Porzellan zerdeppert. Auch das deutsch-polnische Ver- hältnis hat darunter in den letzten Jahren gelitten.
Nun ist nicht nur Lech Kaczynski tot, mit ihm sind auch andere führende Köpfe der polnischen Konservativen gestorben. Damit hat sich , so zynisch es sein mag, die |
politische Landschaft in Polen neu geordnet. Präsident Kaczynski war der Führer des kon- servativen Lagers, der seine Wähler im Kampf gegen den liberalen Ministerprä- sidenten Donald Tusk einte. Diesem kon- servativen Lager fehlt nun die Führungsfigur und wichtige Köpfe. Was das beispielsweise für die vorgezogenen Wahlen am 20. Juni bedeutet ist noch unklar.
Die allumfassende Trauer, die derzeit Stu- denten und Arbeiter, jung und alt in Polen eint ist nur mit dem noch nicht vergessenen aber auch nicht verabeiteten Drama des Massakers von Katyn zu erklären.
Im russischen Katyn fielen mehrere tausend polnische Offiziere einer stalinistischen Säuberungsaktion zum Opfer. Sie waren 1940 zuerst im Gefangenenlager von Koselsksbei Smolensk inhaftiert und dann erschossen worden. Katyn wurde zum Symbol und zu nicht heilenden Wunde der russisch-polnischen Beziehungen. Katyn steht auch als Mahnmal dafür, wie Polen unter den Folgen des Hitler-Stalin-Paktes von 1939 zu leiden hatte. Beide, Hitler und Stalin hatten sich auf Kosten des polnischen Volkes das Land aufgeteilt. Deutschland sicherte dabei der Sowejtunion Neutralität zu, bei der Annektierung von ostpolnischem Gebiet, das vor dem 1. Weltkrieg zu Russland gehörte. Und Stalin sicherte Hitler Neutralität zu, sollte er Polen angreifen.
Am 17. September 1939 überquerten sow- jetische Verbände die polnische Grenze unter dem Vorwand die slawischen Brudervölker" |