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Die Sonne brannte auf die dürre Ebene, als die Männer mit den Macheten zu Menmen Villase kamen. Sie schubsten die Hochschwangere auf den Bauch und schnitten die Plastikplane in Fetzen, unter der sie und ihre vier Kinder Zuflucht genommen hatten. Wie Tausende andere obdachlose Erdbebenopfer war die Familie nach Corail-Cesselesse gezogen, einem Landstrich aufgelassener Zuckerrohrfelder zwischen Meer und Bergen nahe Port-au-Prince, um den überfüllten Lagern in der Hauptstadt zu
entkommen.
Dies ist der Grund und Boden, auf dem das «neue Haiti» entstehen soll. Villase war unversehens in eine der Landstreitigkeiten geraten, die in Haitis Vergangenheit wurzeln. Sie haben den Wiederaufbau nach dem verheerenden Beben vor sechs Monaten, bei dem bis zu 300.000 Menschen umkamen und die Hauptstadt weitgehend zerstört wurde, so gut wie zum Erliegen gebracht.
Die schon vor dem Beben wenig durchsetzungsfähige Regierung will an Orten wie Corail-Cesselesse neu bauen, einer öden Gegend 15 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Doch die Bemühungen werden
lahmgelegt durch Desorganisation, erbitterte Rivalitäten und Geschäfte hinter ihrem Rücken.
Schlägertrupps gegen Obdachlose
Auf nahezu jeden Flecken Land erheben mehrere Familien Anspruch. Ein Aufbau-Verantwortlicher musste bereits zurücktreten, weil er seinem Unternehmen ein Bauprojekt zugeschanzt hatte. Wohlhabende Landbesitzer prophezeien, das «neue Haiti» werde auch nur wieder ein riesiger Slum werden, wenn der Aufbau nicht |
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zu ihren Bedingungen vonstatten gehe. Mitten drin im Gemenge die Obdachlosen, die sich auf einem Fleckchen Erde festzukrallen und den Schlägern zu widersetzen versuchen, die sie vertreiben sollen. Selbst angesichts der Macheten musste Villase unter der Plane hervorgezerrt werden, die ihr und ihren Kindern Wohnung war. «Ich wollte nicht, dass sie das Zelt wegnehmen», erinnert sie sich. «Sie sagten: «Uns doch egal. Wie können es auch zerfetzen, wenn du noch drin bist.»
Nur zwei Prozent des Schutts geräumt
Unmittelbar nach der Katastrophe strömte ganz Port-au-Prince ins Freie. Die Häuser waren zu Todesfallen geworden. Auf Straßen und Plätzen, öffentlichen und privaten Grundstücken, in Parks und auf Golfplätzen wuchsen Zeltlager. Überall lagen Leichen. Die Toten sind weg, nicht aber die schätzungsweise 20 Millionen Kubikmeter Schutt. Trümmerberge machen einen Großteil der Hauptstadt unpassierbar. Selbst mit dem Einsatz von 300 Lastwagen jeden Tag sind erst zwei Prozent des Schutts geräumt. Während sich die Zahl der Menschen in Flüchtlingslagern auf 1,6 Millionen fast verdoppelt hat, ist die Zahl neu entstandener Notunterkünfte verschwindend gering. Von den zugesagten rund 2,5 Milliarden Euro humanitärer Hilfe ging das meiste für Feldlazarette, Plastikplanen, Verbandsmaterial und Lebensmittel sowie Gehälter, Reisekosten und Unterhalt von Mitarbeitern der Hilfsorganisationen drauf. Hunderte Millionen warten noch darauf, ausgegeben zu |
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