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Jordanien, Jemen und Ägypten?
28.01.2011
Revolution
Man hatte es nicht mehr für möglich gehalten, nach sovielen Jahrzehnten autoritären, klientelistischen und korrupten Strukturen im Nahen Osten, dass es da wirklich noch demokratische Kräfte gibt, die sich nun gewaltig ihre Bahn brechen. Das kleine Tunesien hat es vorgemacht, es demonstrierte seinen Staatspräsidenten Ben Ali einfach aus dem Land.

Zwar sind die Funken aus Tunesien in die ganze arabische Welt geflogen und haben dort auch Feuer verbreitet, doch ob es zu einem Flächenbrand kommt, ist unklar. Zu unterschiedlich sind die Strukturen. Fangen wir beim Militär an: In Tunesien stand das Militär hinter dem Volk. In Ägypten steht es hinter Mubarak. Er kommt aus dem Militär, und auf das Militär gründet sich seine Macht. Stürzt Mubarak, verliert das Militär seinen Einfluss und seine Pfründe. Warum sollte es sich also auf die andere Seite stellen? Zu befürchten ist eher, dass die Demonstrationen in Ägypten blutig niedergeschlagen werden.

Im Jemen fehlen geordnete Strukturen, und auch eine nennenswerte Opposition. Das Land ist zergliedert in Stammes- und Machtgebiete. Opposition muss hier nicht Demokratie bedeuten, sondern Kampf um die Macht zwischen Stammesrivalen. Jemen hat auch die ärmste Bevölkerung aller arabischen Staaten, schlecht gebildet und ausgebildet. Das spricht eher gegen eine Revolution und für Wiederaufleben des erst vor kurzem beigelegten Bürgerkrieges.

Jordanien ist ein anderer Fall: Hier gibt es eine ordentlich gebildete Mittelschicht, die ein mässiges Auskommen hat, eine niedrige Analphabetenquote und eine europäische Kolonialgeschichte,somit also europäische Einflüsse und einen europäisch orientiertes Königshaus. Hier könnte der König, ähnlich wie in Spanien, die Rolle des Modernisierers übernehmen.

Viel wird davon abhängigen, welchen Weg Tunesien einschlagen wird. Läuft die Revolution dort aus dem Ruder, bleibt wenig Hoffnung für die Nachbarländer.
Dann wird dort jedes Aufkeimen von Unruhe mit Gewalt unterdrückt werden. Aber wenn die Tunesier wirkliche Reformen auf den Weg bringen, kann das Land
Vorbildcharakter für eine ganze Region haben.












Jordanien
Isabella PfaffIsabella Pfaff, pfaff@tagesblick.de
Journalistin
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