Vier Tage vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Demokratischen Republik Kongo zeigt sich die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision höchst besorgt über die Situation in dem zentralafrikanischen Land. Ekkehard Forberg, Experte für Friedensförderung und Konfliktbearbeitung, erklärt: „Die Vorbereitungen für die Wahlen verlaufen schleppend. Immer wieder gibt es gewaltsame Ausschreitungen und Überfälle auf Wahlveranstaltungen und Demonstranten. Wir machen uns Sorgen, dass das Land wieder in einen Bürgerkrieg zurückfallen könnte, wenn die internationale Gemeinschaft sich nicht stärker engagiert.“
Journalisten wurden an einer objektiven Berichterstattung gehindert, bedroht oder auch ermordet. Auch die Verteilung der Stimmzettel bereitet Schwierig-keiten in einem Land, das fast so groß ist wie Westeuropa und zudem kaum über geteerte Straßen verfügt und zu großen Teilen von Dschungel bedeckt ist.
Erst im Frühjahr hatte der amtierende Staatspräsident Joseph Kabila die Verfassung ändern lassen. Eine einfache Mehrheit würde jetzt für seine Wiederwahl reichen. Dies könnte dazu führen, dass die Opposition die Wahl nicht akzeptiert und zu einer weiteren Eskalation beitragen. „Der Kongo ist nur sehr schlecht auf die Wahlen vorbereitet und braucht dringend internationale Unterstützung“, so Forberg. „Seit über einem Jahrzehnt herrscht in dem Land Chaos und Anarchie.“ |
Die Regierung ist nicht in der Lage, die Zivilbevölkerung vor Übergriffen von Rebellen zu schützen. Etwa 1,7 Millionen Menschen wurden aus ihren Heimatdörfern vertrieben. „Die internationale Gemeinschaft investiert zwar Millionen Dollar in das Land, hat aber keinen konkreten Plan, wie dieses riesige Land befriedet werden kann“, erläutert Forberg. „Wir brauchen einen Masterplan, der alle Akteure wie Politiker, Unternehmen und die Zivilgesellschaft an einen Tisch holt und konkrete Vorschläge für eine bessere Zukunft des Landes erarbeitet.“
Trotz seines immensen Rohstoffreichtums zählt der Kongo zu den ärmsten Ländern der Welt. Korruption ist weit verbreitet. Politiker und verschiedene Rebellengruppen kämpfen seit Jahren um die Ressourcen. Für die Bevölkerung bleibt nichts übrig. Auf dem aktuellen Index für menschliche Entwicklung steht das Land an letzter Stelle von 187 Staaten. Rund 20 Prozent der Kinder sterben vor Erreichung des fünften Lebensjahres. Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung.
World Vision arbeitet seit etwa 50 Jahren in dem Land und ist auf vielen Gebieten tätig. Insbesondere kümmert sich die Organisation um Kinder unter fünf Jahren im Bereich Nahrungsmittelsicherheit, Hygiene und Gesundheit und führt Schulungsmaßnahmen für Schwangere und junge Mütter durch. Gemeinsam mit dem BAP-Sänger Wolfgang Niedecken wurde ein Reintegrationsprojekt für ehemalige Kindersoldaten und vergewaltigte Frauen ins Leben gerufen. Außerdem gibt es Wiedereingliederungsmaßnahmen für Menschen, die in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt sind.
|