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Ein Reiseblog aus Australien, Teil 1
31.05.2008
Von Sydney nach Adelaide
Aus der Luft betrachtet sehen sie aus wie silberne Schlangen, die sich gemächlich durch den sonnenerwärmten Sand des Australischen Kontinents winden. Gemeint sind die Traditionszüge der Great Southern Railway, die Australiens Küsten auf tausenden Kilometern von Osten nach Westen, von Süden nach Norden verbinden. Der Inhalt trockener Träume manch eines Eisenbahnfans, von dem modernen Australier jedoch fast aus dem Bewusstsein verdrängt, selten erwähnt und noch seltener genutzt.

Ohne Hast legt der klimatisierte Indian Pacific die 4.352 kilometerlange Strecke Sydney-Perth in 65 Stunden zurück. Diese Bahnlinie wurde 1970 erstmalig komplett befahren, anders als der die Süd-Nord-Achse bedienende Ghan, welcher erst 2004 bis nach Darwin in Betrieb genommen wurde. Der Ghan startet in Adelaide, schlängelt sich nordwärts nach Alice Springs, wo er die Ayers Rock-Touristen ausspuckt und gestrandete Touristen zur Weiterfahrt nach Darwin einsammelt.

Überseetouristen stellen das Gros der Reisenden, die je nach Geldbeutel wählen können zwischen Sitz-, Liege- und Schlafwagen. Während die Preise für die Sitzwagenklasse durchaus erschwinglich sind, wird geruhsamer Schlaf schnell teuer. Ein Ticket für den Großraumwagen von Sydney nach Perth kostet umgerechnet 450 €, der Schlafwagen schlägt bereits mit 770 € zu Buche. Zwei tagesblick-Journalisten haben zwar die Kosten, aber nicht die Mühen gescheut, um sich an Bord der legendären Züge von der Weite des Fünften Kontinents zu überzeugen.

Tag 1

Ein nicht schöner, aber dafür sehr silberner Zug ruht am Sydney Terminal, als wir 2 Stunden vor Abfahrt eintreffen. Die Lokomotive ist nicht zu sehen, der Indian Pacific ragt weit über das Ende des Gleises hinaus. Wir sind gerade rechtzeitig, um unser Gepäck einzuchecken, nicht mehr als 20 kg, es wird scharf kontrolliert.
Am Nebenschalter werden Fahrgäste dazu angehalten, aus- und umzupacken. Fast vierzig Minuten vor Abfahrt werden wir zum „Boarding“ aufgerufen. Ungläubige Blicke nutzen nichts, das Personal bringt sich in Position für die Sicherheitsbelehrung und verriegelt die Türen. So eingesperrt, schwant uns nichts Gutes, als die füllige Zugbegleiterin das Mikrofon schnappt, aber die Karaoke-Einlage bleibt uns erspart. Tatsächlich weist die Bordsprechanlage einige Mängel auf und die Sicherheitsbelehrung verkommt zum Glücksrad-Ratespiel. Ich kaufe einen Satzanfang. Klar verständlich sind allerdings die den technischen Mängeln geschuldeten Flüche und die Ansage, dass Reisende beim Verstoß gegen das Rauchverbot in der Wüste ausgesetzt werden. Die Machbarkeit dieser Drohung ist sicherlich etwas, worum Flugbegleiterinnen ihre Kollegin vom Indian Pacific beneiden dürften. Mit fragendem Blick inspizieren wir die diskret in die Hochglanzprospekte gelegten Kotztüten. Der Abflug enttäuscht. Anstelle der erwarteten 250 km/h Startbeschleunigung, gondelt der Indian

Anzeigetafel Sydney Terminal
Anzeigetafel Sydney Terminal

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