Seit gestern Nacht ist das Rennen zwischen Barack Obama und Hillary Clinton endgültig entschieden. Auf einer Wahlkampfveranstal- tung in Grand Rapids im Bundesstaat Michigan sprach sich John Edwards, bis Januar ebenfalls Bewerber um die demokratische Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten, für Senator Obama aus. Das Wort des Südstaatlers hat Gewicht. Clinton wie Obama umwarben ihn nach seinem Ausscheiden aus den Vorwahlen heftig. Sie wollten von seiner Popularität und den Wahlmännern profitieren, die Edwards während der Vorwahlen im Januar gesammelt hat.
Obama und Edwards standen sich von Anfang an näher als Edwards und Clinton. Während der zahlreichen TV-Debatten bildeten die beiden Männer oft eine Front gegen die Senatorin aus New York. Obama wie Edwards werden innenpolitisch weiter links verortet als Clinton. Vor allem sprechen sich die relativ jungen Politiker heftig gegen den starken Einfluss von Lobbyisten auf die US-Politik aus. Sie attackierten die Favoritin wegen ihrer Wahlkampfspenden von Großkonzernen und Interessensgruppen heftig. Zudem warben beide für eine Abwendung von der hasserfüllten politischen Stimmung der letzten Dekaden, die Clinton personifiziert.
Edwards Präferenz war also schon seit Monaten zu ahnen. Dennoch hat er mit der offiziellen Benennung seines Favoriten bis gestern gewartet. Der Grund hierfür ist offensichtlich: der als Anwalt zum Millionär gewordene Südstaatler will in die nächste demokratische Regierung. |
Viele sagen, er möchte in die Fußstapfen Robert Kennedys treten und als Attorney General höchster Rechtsberater des Präsidenten werden. Andere meinen, Edwards spekuliere nach wie vor auf das Amt des Vizepräsidenten. Es war deshalb stets klar, dass der Sozialpopulist sich nur auf eine Seite schlagen würde: die des Gewinners. Das hat er nun getan.
Nach Monaten erbitterten Wahlkampfes kann Barack Obama seine Nominierung als demokratischer Präsidentschaftskandidat nun kaum mehr genommen werden. Hillary Clinton läuft nur noch pro forma im Rennen mit. Sie will nicht nur den Schuldenberg ihrer Kampagne abtragen: 20 Millionen Dollar Miese sind es inzwischen, inklusive 11 Millionen vom eigenen Konto. Die Vollblutpolitikerin will vor allem den Preis für ihren Ausstieg so hoch wie möglich treiben. So kann sie vielleicht doch noch einige ihrer Herzensthemen in Obamas Wahlprogramm zwingen. Insbesondere ihr Entwurf für eine obligatorische Gesundheitsreform ist der Ex-First Lady viel wert.
Obama hat nun also das Heft in der Hand. Seit Anfang des Jahres hat er alle Höhen und Tiefen des Wahlkampfes miterlebt. Er war strahlender Überraschungssieger in den Vorwahlen Januar und Februar. Letzten Monat hielt er müde und entnervt dem Dauerbeschuss aus Clintons und McCains Lager sowie der brutalen US-Presse stand. |