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Schnelle Eingreiftruppe der Bundeswehr im Afghanistaneinsatz
04.06.2008
Weitere fünf Jahre
Die schnelle Eingreiftruppe der Bundeswehr ist am Dienstag in Lemgo zu ihrem Afghanistaneinsatz verabschiedet worden. Sie übernimmt ab 1. Juli das Mandat von den Norwegern im Norden des Landes. Die Eingreiftruppe muss sich dabei auf bewaffnete Auseinandersetzungen gefassst machen. Laut Bundesverteidigungsminister Jung wird die Bundeswehr noch weitere fünf bis zehn Jahre in Afghanistan bleiben.

Der Verteidigungsminister selbst hat in Lemgo die schnelle Eingreiftruppe verabschiedet und dabei gleich auch den 250.000sten Soldaten der Bundeswehr ins Ausland geschickt. Ein kleines Jubiläum also. Die Eingreiftruppe, so Verteidigungs- minister Franz-Josef Jung weiter, wird im "Wesentlichen" in Nordafghanistan einge- setzt. Sicher ist das aber nicht, denn die Eingreiftruppe ist nicht an das ISAF-Mandat gebunden.

Die Bundeswehr wird die schnelle Eingreiftruppe der Norweger ablösen, deren Einsatz am 1. Juli 2008 endet. Die Norweger sind während ihres Einsatzes in mehrere schwere Gefechte verwickelt worden und der kommandierende Oberstleutnant der Norweger wies darauf hin, dass sich auch die Deutschen auf Kämpfe gefasst machen müssen.

Die schnelle Eingreiftruppe der Bundeswehr umfasst 200 Soldaten, größternteils aus dem Panzergrenadierbataillon 212 aus Augustdorf. Soweit die schlichten Fakten. Die wesentliche Frage ist aber, auf welche politische und militärische Situation die Soldaten in Afghnaistan treffen werden.

Selbst im bis dahin eher ruhigeren Norden hat sich die Lage extrem verschärft. Nach Ansicht von Experten steht Afghanistan vor einem neuen Bürgerkrieg. In diesen würden dann auch die dort stationierten ISAF-Truppen und vor allem die Amerikaner hineingezogen. Selbst Bernhard Gerntz, der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes sagt: "Es war richtig, nach Afghanistan zu gehen und den Versuch zu unternehmen, das Land zu stabilisieren. Nur ist uns das leider bisher nicht gelungen. Seit 2003 sind wir dort weit, weit hinter den Zielen zurückgeblieben, die sich die Staaten- gemeinschaft gesetzt hatte." Aller Einsatz also erfolglos?

Die Ursachen des Terrorismus sind nicht bekämpft worden, der Opiumhandel blüht, auch, weil den Bauern die Alternative fehlt. Präsident Karsai ist nicht viel mehr als ein Oberbürgermeister von Kabul. Seine Macht und Autorität reichen nicht weit über die Stadtgrenze hinaus. Im Land herrschen die Warlords der unterschiedlichen Stämme. Die Aufbauarbeiten für die Zivilbevölkerung sind schon lange ins Stocken geraten. "Alle Staaten wissen, dass wir weit hinter den Erwartungen zurückliegen. Trotzdem ist niemand bereit, die Konsequenzen zu ziehen und mit mehr Manpower und mehr Geld in diesen Bereich einzusteigen", so Bernhard Gertz weiter.

Afghanistan kostet Blutzoll. Und je mehr Soldaten der NATO dort ihr Leben lassen müssen, desto mehr bahnt sich unterschwellig ein West-West-Konflikt inner- halb der NATO an.
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