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Die Polen schlagen zu - Geplänkel vor der EM
05.06.2008
Foul von Hinten
Noch hat die EM gar nicht begonnen, da gibt es bereits den ersten Streit. Die polnische Zeitung "Super Express" hat die abgetrennten Köpfe von Ballack und Löw auf der Titelseite präsentiert, und den Trainer, Leo Beenhakker aufgefordert: Leo, bring uns ihre Köpfe. Die UEFA hat die Titelseite kritisiert, Leo Beenhakker hat sich öffentlich entschuldigt.

Sowas kennt man sonst nur von den englischen Boulevard-Zeitungen - jetzt ziehen die Polen nach. Aber die abgetrennten Köpfe der Deutschen auf der Titelseite - das ging nicht nur der Deutschen Elf an die Nieren, sondern sogar dem Polnischen Nationalcoach zu weit. Er entschuldigte sich öffentlich.
"Verrückte, schmutzige und kranke Leute sind dafür verantwortlich," sagte Leo Beenhakker." Auch der polnische Botschafter in Deutschland, Marek Prawda, verurteilte die Fotomontage als "idiotische Geschmack- losigkeit". So etwas sei völlig unnötig "und sollte eigentlich ignoriert werden."

Nun also gibt es den ersten polnisch-deutschen Fußballkrieg, ausgetragen auf dem Boulevard. Allerdings symbolisiert diese Titelseite den geheimen aber sehnlichen Wunsch der Polen, einmal gegen die Deutsche Nationalelf zu gewinnen. Und auch für die WM 2006 Revanche zu nehmen.

Die Europäische Fußball-Union UEFA hat die Berichterstattung in polnischen Zeitungen vor dem EM-Spiel am Sonntag gegen Deutschland ebenfalls kritisiert. "Das ist sicherlich nicht etwas, was wir begrüßen. Wir meinen, man sollte über Fußball reden. Wir wussten seit der Auslosung, dass diese Begegnung eine gewisse Brisanz mit sich bringt. Wir hoffen aber, dass das Geschehen auf dem Platz im Mittelpunkt stehen wird", sagte UEFA-Sprecher Robert Faulkner am Donnerstag in Basel.

Verwundern muß das Titelbild auch deshalb nicht, da Polen - vom Rest Europas völlig unbemerkt - eine der härstesten und umkämpftesten Presselandschaften aufgebaut hat. In Polen wird - ähnlich wie in England - in den Zeitungen generell erst mal kräftig hingelangt. Da das Presse- und Zivilrecht aber hinter dem Wachstum des Medienmarktes weit zurückhängt, sind Sanktionen selten. Die polnische Presse ist selbst in Polen gefürchtet.

Im polnischen Team spiele die Kampagne "keine Rolle", sagte hingegen der Wolfsburger Spieler in der polnischen Nationalelf, Jacek Krzynowek: "Wir müssen das von uns fernhalten." Bundestrainer Joachim Löw, der Beenhakker sehr schätzt, reagierte besonnen und sieht darin eher einen Einzelfall. "Ich glaube nicht, dass das repräsentativ ist, was da in einer Zeitung wohl geschrieben worden ist", sagte Löw.

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