Kerzengerade steht sie da, mit eisernem Lächeln. Und gibt auf. Hillary Clinton, Senatorin aus New York und Ex-First Lady, beendete in der Nacht auf Sonntag ihre Bewerbung um die Präsidentschafts- kandidatur der Demokraten. Als echte Lady geht sie, nach wochenlanger Kampfesrhetorik und offensichtlichen inneren Kämpfen vor dem Moment der Aufgabe. In einer mitreißenden Rede schwor sie ihre Anhänger auf den Kandidaten der Demokraten ein: Barack Obama.
Der Kandidat freilich war nicht da, als Clinton letztendlich doch noch das Handtuch warf. Nach wochenlanger Siegesrhetorik klang die Senatorin auch am Samstag selbstbewusst und selbstsicher. Sie präsentierte sich in einer Linie mit den Freiheitskämpfern der amerikanischen Geschichte. Beinahe klang es, als sei Clinton eine Märtyrerin der Historie, in Selbstopferung für die nächste Frau im Präsidentschaftsrennen.
Und ganz Unrecht hat sie damit nicht. 18 Millionen Wählerinnen und Wähler hat sie erreicht in den letzten Monaten. Das ist eine enorme Zahl. Sie war nah dran an ihrem Ziel, als erste Frau zur Präsidentschaftskandidatin ausgerufen zu werden. Clinton hat dafür alles gegeben: Zeit, Energie, Geld. Viel Geld. 20 Millionen Dollar Schulden hat ihre Kampagne angehäuft.  Am Schluss eine glänzende Verliererin

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Und viel Energie. Müde sah sie aus, als sie ihre Rede hielt. Mit aller Disziplin riss sich Clinton zusammen, als sie ihre Anhänger aufrief, sich für Obama einzusetzen. Alle Zweifel der Kommentatoren, ob sie wirklich für ihren Konkurrenten werben wird, sind nun ausgeräumt. Klar wird sie. Der Frau geht es um die Sache. Sonst hätte sie sich schon längst in ihr Haus in New York zurückgezogen. Mit über 100 Millionen verdienten Dollars seit 2000 hat das Ehepaar Clinton keinen Anlass mehr zur Arbeit.
Und dennoch hat sie gekämpft. "Obama und ich haben Marksteine für den Fortschritt unserer Nation gesetzt", verkündete die Senatorin am Samstag. Dass ein afro-amerikanischer Kandidat nominiert werde, sei ebenso erstaunlich wie ihr Erfolg. Die anfänglichen Buhrufe verstummten im Laufe der Rede, als die Senatorin wiederholt zum Kampf für Obama aufrief. "Wir alle streben nach demselben Ziel!", rief sie in die zum Ende jubelnde Menge von Unterstützern. Innerhalb von einer halben Stunde hatte sie die frustrierten, erschöpften Anhänger auf das neue gemeinsame Ziel eingeschworen: einen demokratischen Wahlsieg in der Wahl im November.
Clinton setzte einige Schwerpunkte, die einen Hinweis geben für ihre Verhandlungen mit Obama. Sie wird wohl insbesondere darauf drängen, dass der demokratische Kandidat ihr Konzept für eine universelle Gesundheitsversicherung übernimmt. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Clinton könnte dann als Wachhund zur Umsetzung der Reform dienen. Nur so wird der in diesem Punkt halbherzige Obama die Revolution im Gesundheitswesen gegen die zu erwartenden Widerstände umsetzen. |