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Überraschung in Kanada: Dresden bleibt Kulturerbe
04.07.2008
Noch ein Jahr
Überraschend hat die UNESCO am Freitagmorgen entschieden: Dresden und das Dresdner Elbtal bleiben Weltkulturerbe - allerdings nur für ein weiteres Jahr. Sollten bis dahin die ersten Brückenteile der Waldschlößchenbrücke nicht abgebaut sein, wird die Stadt den Titel verlieren. Dresden bleibt deshalb auch weiterhin auf der Roten Liste der UNESCO.

Die UNESCO-Tagungspräsidentin, Christina Cameron, will dazu beitragen, eine Welt zu erschaffen, "die wir unseren Kindern mit Stolz hinterlassen können." Das waren ihre Worte zur Eröffnung der Sitzung im kanadischen Qébec - und die Dresdner hatten mit Bangen zugehört. Weiter sagte sie, dass dazu auch die Erhaltung von Naturlandschaften gehören. Das klang wie eine Ankündigung für den Titelentzung, doch dann kam die Überraschung.

"Wenn die Konstruktion der Brücke nicht gestoppt und der Schaden gutgemacht wird, wird (das Elbtal) 2009 von der Liste des Welterbes gestrichen", hieß es in einer Mitteilung der UNESCO. Mit Blick auf die in Deutschland laufenden Gerichtsverfahren habe man sich jedoch entschieden, Dresden mehr Zeit zu geben. "Das Komitee war der Meinung, dass den Gegnern des Brücken- baus die Chance auf einen Erfolg gegeben werden sollte und dass der Verbleib der Stätte auf der Liste diesem Kampf helfen könnte."

Das Elbtal ist seit 2004 Unesco-Welterbe. Doch schon zwei Jahre später, 2006, wurde es wegen des Brückenbaus auf die Rote Liste der gefährdeten Stätten gesetzt. Die geplante Waldschlößchenbrücke, eine vierspurige und 160 Millionen Euro teure Elbquerung, verschandelt nach Ansicht der Unesco die einmalige Kulturlandschaft. Gegen den Bau eines Tunnels hat das Gremium keine Bedenken.

Dresden wäre, würde es die Brückenteile bis nächstes Jahr nicht abbauen, neben dem Oman die einzige Stätte, die jemals den Titel wieder aberkannt bekommen hätte. Der Oman hatte ein Wüstennaturschutzgebiet zerstört, weil dort Erdöl gefunden worden war.

Insgesamt liegen der UNESCO diesesmal 41 Anträge auf die Aufnahme in die Liste der Kulturdenkmäler vor. Der Titel ist begehrt, weil er in der Regel das Augenmerk der Tourismus-Industrie auf sich zieht.

Dresden ist allerdings fest entschlossen stur zu bleiben. Die Stadtväter berufen sich darauf, dass in einem Bürgerentscheid der Bau der Waldschlößchen-Brücke von der Mehrheit der Dresdner befürtwortet wurde.

Allerdings war den Dresdnern zum Zeitpunkt der Abstimmung nicht bekannt, dass dadurch der Titel in Gefahr geraten würde. Nach Ansicht der Stadtverwaltung ist die Brücke über die Elbe dringend notwendig, um die Verkehrsprobleme der Stadt zu lösen.
Isabella PfaffIsabella Pfaff, pfaff@tagesblick.de
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