Es war still geworden um John Edwards, nachdem er im Januar aus dem Rennen um die demokratische Präsidentschaftskan- didatur ausgestiegen war. Nicht einmal mehr ein öffentliches Amt bekleidet der Ex-Senator aus North-Carolina.
Doch rauschten im Blätterwald die Gerüchte über eine Affäre, die er im Jahr 2006 gehabt haben soll. Der National Enquirer, ein Hochglanzblatt auf Nullniveau, berichtete mehrmals über ein uneheliches Kind des Senators. Edwards jedoch dementierte die Vorwürfe wiederholt. Die Massenpresse griff das Thema daraufhin nicht auf.
Bis letzte Woche. Nachdem der National Enquirer ein Bild veröffentlicht hatte, das angeblich Edwards mit seinem unehelichen Kind zeigte, ging der Anwalt aus South Carolina in die Offensive. Dem Sender ABC wurde überraschend ein Interview im Haus der Familie Edwards gewährt. In seinem Wohnzimmer gestand der Senator a.D. seinen Ausrutscher ein - und vieles mehr.  So bald nicht mehr gemeinsam auf der Bühne: Edwards und Obama

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Deformation durch Ruhm
Die Details seiner Liaison, so Edwards, seien seiner Familie vorbehalten. Und die habe er schon 2006 in alles eingeweiht. Aber "die Hauptfrage ist: wie konnte ich jemals zulassen, dass so etwas passiert?“ Der Grund sei die Deformation seines Charakters durch den andauernden Erfolg. Er habe sich entfernt von den Werten, mit denen er als Kind aufgewachsen sei.
Er habe sich ab einem gewissen Punkt "unverwundbar" gefühlt, sagte Edwards in die Kamera. Der ununterbrochene Aufstieg habe seine Persönlichkeit verändert. "Alle sagten mir: Du bist so ein toller Mensch. Das Ergebnis waren Selbstzentriertheit, Ego- zentrik und Narzissmus." Diese Eigen- schaften hätten ihn glauben lassen, tun und lassen zu können, "was immer ich will."
Drei Mal Ärger
Drei Dinge machen Edwards Affäre zu einer heiklen Angelegenheit. Zum einen ist seine Frau Elizabeth schwer krebskrank. Heute ist bekannt, dass die Krankheit tödlich für sie enden wird. Zum Zeitpunkt der Affäre habe er jedoch geglaubt, sie sei auf dem Weg der Besserung, so John Edwards. So will er den Vorwurf der Herzlosigkeit von sich weisen. Zu ungeheuerlich ist die Vorstellung, dass er sich im Bett vergnügt hat, während seine Frau gegen ihre Krankheit kämpfte. |