Noch sind keine Umfrageergebnisse verfügbar. Es ist jedoch schon heute klar, dass der Republikaner John McCain von der aktuellen Kaukasus-Krise profitieren wird. Die Konfrontation mit Russland wird von der amerikanischen Öffentlichkeit gespannt verfolgt. Der alte Haudegen McCain - seit Jahren als scharfer Hund bezüglich Russland bekannt - ist hier klar im Vorteil gegen das außenpolitisch unbeschriebene Blatt Barack Obama.
Der im Kalten Krieg sozialisierte McCain fällt seit Jahren durch harte Attacken gegen Russland auf. Er stellte sich hier auch in Widerspruch zu George W. Bush, der nach seinem ersten Treffen mit Ex-Präsident Putin erklärte, er habe Putin in die Augen geschaut und "einen Eindruck von seiner Seele" erhalten. Putin sei "geradeheraus und vertrauenswürdig." McCain erklärte in Anspielung darauf, er habe in Putins Augen drei Buchstaben gesehen: "Ein K, ein G, ein B." Offensichtlich wollte er dem russischen Präsidenten seine langjährige Geheimdiensttätigkeit nicht verzeihen.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr antwortete McCain scharf auf Putins aggressive Brandrede, in welcher der Präsident den Westen vor dem weiteren Vordringen in die ehemalige sowjetische Einflusszone warnte. McCain sieht in dem russischen Wunsch, die Größe des vorsowjetischen Reiches wiederauferstehen lassen, eine enorme Gefahr für die Stabilität von Osteuropa bis in die asiatischen Gebiete. |
Im Gegensatz zur großen Mehrheit des politischen Establishment in Washington, hat McCain seinen Blick nie von Russland abgewendet. Er ist durch und durch geprägt durch die Rhetorik der Reagan-Jahre, in denen Washington scharfe Töne Richtung Moskau sendete. Der Senator läuft seit Jahren Sturm gegen jeglichen russischen Versuch, seine Kontrolle über die ehemalige sowjetische Einflusszone zu behalten. Nach dem Beginn der Krise in Russland war der Senator aus Arizona die erste und schärfste Stimme, die Russlands Vorgehen verurteilte. Das Weiße Haus und Barack Obama verschärften kurz darauf den Tonfall ihrer Statements.
Der grauhaarige Präsidentschaftskandidat erscheint nun überraschend als Visionär. Früher als andere scheint er das Aggressionspotential Russlands erkannt zu haben.
Nun könnte der Moment gekommen sein, in dem seine Erfahrung nicht zur Belastung sondern zum Vorteil für McCain wird. Wenn die Krise nicht schnell beigelegt wird, muss sich die Obama-Kampagne massiv um den Wahlsieg sorgen. Denn ihre Strategie, einen beinahe rein innenpolitischen Wahlkampf zu führen, dürfte dann obsolet werden. Bisher hat McCains Kampagne den Vorwurf der außenpolitischen Unerfahrenheit nie gegen den demokratischen Kandidaten ausspielen können. Nun wendet sich das Blatt.
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