Rick Warren ist ein amerikanisches Phänomen. Der evangelikale Pfarrer gründete in den siebziger Jahren eine der ersten Magekirchen der Vereinigten Staaten. In seiner Saddleback Church in Kalifornien sammeln sich Woche für Woche mehr als 22000 Menschen. Über Fernsehen und Publikationen erreicht der Pastor Millionen. Sein neuestes Buch wurde 25 Millionen Mal verkauft.
Dazu ist Warren kein radikaler Evangelikaler, wie man sie sich in Deutschland so vorstellt. Er wirbt seit Jahren für eine zentristische, weltoffene Auslegung des evangelikalen Glaubens. Er polarisiert selten, steht aber doch für klassische konservative Überzeugungen ein. So ist er zum Beispiel gegen Abtreibungen und gegen die Homo-Ehe. Zeitgleich jedoch will Warren diejenigen, die anderer Meinung sind, nicht verteufeln. So spricht er der demokratischen Partei dezidiert zu, in einigen Punkten überzeugendere Antworten zu haben als die Republikaner - denen Evangelikale in der überwältigenden Mehrheit zuneigen.
 Pfarrer Rick Warren

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Seit geraumer Zeit interviewt Warren in seinem Saddleback Civil Forum Politiker. Die Gespräche zeichnen sich durch einen freundlichen Umgangston und einen nachdenklichen Gestus aus. Große philosophische Themen werden nicht gescheut - sachorientierte politische Fragen aber nicht umgangen.
Pfarrer Warren ist also eine für beide Parteien wichtige Figur. Seine Zustimmung oder auch nur Aufmerksamkeit zu gewinnen heißt insbesondere für Demokraten, in evangelikalen Kreisen hoffähig zu werden.
Schaulauf der Kandidaten
Das wollen beide Präsident- schaftskandidaten. Obama wie McCain haben Probleme, im klassisch evangelikalen Umfeld Zustimmung zu finden. Zu klar haben sich beide für Abtreibungsrechte ausgesprochen, ebenso wie für Stammzellforschung. Das sind Totschläger, wenn es um evangelikale Wählerwerbung geht. Am Samstag hatten Obama und McCain die Chance, sich jeweils eine knappe Stunde lang vor der "Gemeinde" von Pfarrer Warren befragen zu lassen. Eine große Chance. Genutzt hat sie vor allem John McCain.
Warren stellte den Kandidaten die überwiegend selben Fragen, auf die beide Kandidaten höchst unterschiedlich antworteten. Gibt es das Böse? Welche Entscheidung in Ihrem Leben bereuen Sie am meisten? Welche Rolle spielt Glauben im politischen Leben? Definieren Sie Ehe! Harter Tobak in Teilen, da Warren schwankte zwischen der Aufforderung zu intimen Bekenntnissen und Fragen zu politischen Minenfeldern wie Steuern und Abtreibung. |