Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 50 chinesische Menschenrechtler wurden wäh- rend der Spiele verhaftet, 22 ausländische Journalisten bedrängt, 47 Tibet-Aktivisten wurden verhaftet, ebenso 15 chinesische Staatsbürger die demonstrieren wollten. China hat sein Versprechen von offenen und freien Spielen nicht gehalten. Diese Bilanz zieht die Organisation "Reporter - ohne-Grenzen" in ihrem Abschlußbericht in Paris.
Die Olympischen Spiele in Peking fanden in zwei getrennten Welten statt: Innerhalb der Sicherheitszone, zu der nur die akkreditierten Journalisten, die Sportler und Funktionäre Zutritt hatten und außerhalb dieser Zone, in der die "normalen" Chinesen lebten und leben.
In der Sicherheitszone lösten sich nach anfänglichen Irritationen die Vorschriften langsam auf und Journalisten, vor allem Bildreportern und Kameramännern wurde mehr und mehr freier Zutritt erlaubt, auch zu Zuschauertribünen, zu Funktionärstribünen und Sperrzonen - eben überall dortin, wo die es gute Bilder von Olympia gab. Bilder, die den Ruhm der Spiele und somit den der Chinesen in alle Welt tragen sollten. Die Medien konnten relativ frei von den Wett- kämpfen berichten. Das lag auch im In- teresse der Veranstalter.
 Die Situation der Pressefreiheit in China (Quelle: Reporter-ohne-Grenzen)

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Draußen im normalen Leben sah das Bild anders aus: Bei Demonstrationen und journalistischen Recherchen zu heiklen Themen kam es wiederholt zu Behin- derungen durch Sicherheitskräfte in Uniform und Zivil. "Die Olympischen Spiele in Peking waren überschattet von Festnahmen, Ver- urteilungen, Zensur, Überwachung und Schikanen. Über 100 Journalisten, Blogger und Dissidenten waren davon betroffen,“ sagte Robert Ménard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, bei einer Presse- konferenz in Paris. „An diese Unter- drückung wird man sich erinnern, wenn man an die Olympischen Spiele in Peking denkt. Und für dieses Versagen muss auch das Internationale Olympisches Komitee (IOC) Verantwortung übernehmen," so Robert Ménard weiter.
Dabei hatte der chinesische Präsident Hu Jintao persönlich das Versprechen von Pressefreiheit während der Spiele gegeben. Am 1. August 2008 äußerte er sich im Bei- sein der ausländischen Presse so: China würde die Arbeit ausländischer Journalisten „erleichtern... sowohl vor als auch nach den Olympischen Spielen in Peking.“ Liu Binjie, verantwortlich für die Verwaltung der Presse und Publikationen, sagte, die „offene Tür“ für die ausländische Presse „würde sich auch nach den Spielen nicht schließen.“ Davon war während der Spiele in Peking aber wenig zu spüren.
Anschließend kritisierten die Reporter - ohne-Grenzen die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 ins russische Sotchi: "Wir fordern, dass die Achtung der Meinungs- freiheit eines der Auswahlkriterien wird, nach denen olympische Austragungsstätten aus- gesucht werden. Die Olympische Bewegung wiederholte bereits den Peking-Fehler bei der Vergabe der Winterspiele 2014 an Sotchi in Russland."
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