Der erste Tag des demokratischen Nomi- nierungsparteitages war geprägt von positiven Botschaften. Der republikanische Gegner fand kaum Erwähnung. Stattdessen mühten die Redner sich redlich, die Wähler endgültig von Barack Obama zu überzeugen. Der hatte die letzten Wochen nämlich eine schwache Phase. Die Zweifel am demo- kratischen Kandidaten wurden zunehmend stärker. Die dreitägige Krönungsmesse in Denver gibt nun die Möglichkeit, gegen- zulenken.
Zu jung, zu unerfahren, zu elitär. Diese Bilder von Obama werden von den Republikanern mit zunehmendem Erfolg betont. Nicht nur der Kandidat selbst geriet in den Fokus von rechts. Auch seine Frau, die Harvard-Juristin Michelle Obama, wurde hart angegriffen.
Die Top-Angestellte der University of Chicago habe zuhause eigentlich die Hosen an, hieß es. Zweifel an ihrem Patriotismus wurden ebenso gesät wie an ihrer politischen Gesinnung. Michelle Obama, so die politischen Heckenschützen, sei eine linke Radikale. Die eigentliche Agenda des demokratischen Kandidaten sei an seiner zornigen Frau erkennbar. So wird die Angst vor dem Zorn der schwarzen Minderheit über Bande geschürt.
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Weichgespülte Lebensläufe
Hier wollte die Obama-Kampagne gegen- lenken. Das tat sie in der ersten Nacht des demokratischen Parteitages in Denver erfolgreich. Michelle Obama hielt die Hauptrede des Abends. Unprätentiös in der Geste und schlicht gekleidet präsentierte sich die Spitzenjuristin als dankbare, liebevolle Ehefrau. Sie pries den Wert der Familie, ihr Land und natürlich ihren Mann. Die eigentlich scharfzüngige Frau hat sich den Maulkorb umgelegt.
Michelle Obama stammt aus armen Ver- hältnissen. Sie wuchs in Chicagos South Side auf, ein Ghetto mitten in der Millionenstadt. Die allgegenwärtige Armut in den USA war jedoch nicht Thema. Michelle Obama stellte sich als Musterbeispiel für den American Dream dar. Nur die Förderung durch ihre Eltern und eigener Ehrgeiz hätten es ihr ermöglicht, die Chancen ihres Landes zu nutzen. Schaut her, was eine liebevolle Familie und Ehrgeiz und Fleiß bewirken können, so die Aussage. All dies sei nur in den USA möglich.
In gleichem Tonfall sprach die eloquente Rednerin über ihren Ehemann. Sie betonte Barack Obamas einfache Herkunft. Auch er habe es mit Fleiß und vor allem festen Werten geschafft, an die Spitze zu gelangen. Nun sei er ein wandelndes Symbol für Amerika: "Barack drängte uns immer dazu, die Stärke für den Wandel hin zu einer besseren Welt in uns selbst zu finden." So wird der Kandidat zum amerikanischen Mustermann.
Beschwichtigung der stillen Ängste
Die Botschaft war klar: habt keine Angst vor dem schwarzen Mann! Der amerikanischen Mittelklasse - die große Mehrheit der Wähler - wurde vermittelt, dass Obama ihre Werte teilt. Dass er kein radikaler Linker ist. Dass der pursuit of happiness weiterhin Aufgabe des Einzelnen bleiben soll. Dass er ein guter Patriot ist. Und dass seine Hautfarbe bei all dem eigentlich keine Rolle spielt.
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