Schon bei der Inbetriebnahme 1968 war den Fachleuten klar, dass Wasser das größte Problem des ehemaligen Salzbergwerkes Asse bei Hannover sein würde. Nur erwarteten die Experten das Wasser damals erst in hundert Jahren. Es kam aber schon nach zehn Jahren. Heute strömen täglich 12.000 Liter ein, die noch abgefangen werden können. Sollten die Wassermassen zunehmen, würde das Bergwerk mitsamt seinen 125.787 Fässern mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll vollaufen und einstürzen. Dann könnte Radioaktivität aus- und ins Grundwasser eintreten.
Um dem vorzubeugen hat man sich zu einem weltweit einmaligen Rettungsversuch entschlossen. Alle Fässer sollen ausgebuddelt und aus 750 bzw. 511 Meter Tiefe wieder an die Oberfläche gebracht werden. Dort sollen sie kontrolliert und in den nur wenige Kilometer entfernten Schacht Konrad verfrachtet werden. Die frühere Eisenerzgrube gilt als sicherer, bräuchte aber noch eine Genehmigung für die Einlagerung der Fässer aus Asse.
Das ist nicht das einzige Problem der Umbettungsaktion. Bei der Einlagerung ließ man die sonst so gern betone deutsche Gründlichkeit außer Acht. Weder wurde genau Buch geführt, noch ging man sonderlich sorgsam mit den Fässern um. Diese wurden durch ein Loch in der Decke ein Stück abgeseilt und dann einfach in die Kammer darunter fallen gelassen. Heute weiß niemand, in welchem Zustand |
sich die Fässer befinden. Die Meinungen der Experten gehen auseinander, ob die Aktion überhaupt durchführbar ist. Darum werden zuerst 1.000 bis 3.000 Fässer geborgen und untersucht.
Welche Überraschungen möglich sind, belegt das Beispiel von einigen Fässern einer Braunschweiger Firma, die zwar für Asse bestimmt waren, dann aber doch nicht dort eingelagert wurden. Als bei diesen eine strahlende Flüssigkeit austrat, zeigte die Überprüfung, dass die Fässer falsch deklariert waren. Statt kontaminierter Erde befand sich in den Fässern eine radioaktive Flüssigkeit, die gar nicht erlaubt gewesen wäre.
An den auf zwei Milliarden Euro geschätzten Kosten möchte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) auch die Besitzer der Kernkraftwerke beteiligen, da der meiste Müll von ihnen stammt. Dummerweise haben die seinerzeit für die Lagerung aber schon bezahlt, wenn auch nur Kleckerbeträge ab 75 Euro pro Fass. Insgesamt kamen nur acht Millionen Euro zusammen. Röttgen hat allerdings noch einen anderen Trumpf in der Hand. Die Kernkraftbetreiber möchten ihre Anlagen länger laufen lassen...
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