Jedes Jahr zur Fastenzeit findet auf dem Nockherberg das "Politiker-Derblecken" statt, heißt: Ein Satiriker liest der Politik die Leviten. Dieses Jahr war es Michael Lerchenberg. Doch er hat mit seiner Rede am Mittwoch einen Eklat provoziert. Außenminister Guido Westerwelle will daraufhin nicht mehr ein- geladen werden.
Vor allem an einer Passagen in der gut dreiviertelstündigen Rede erhitzten sich die Gemüter: In einer Attacke auf FDP-Chef Guido Westerwelle erkannten manche eine An- spielung auf den über dem Tor des Kon- zentrationslagers Auschwitz ange- brachten zynischen Spruch „Arbeit macht frei“. Lerchenberg habe damit eine Grenze überschritten, kritisierte etwa Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung“, teilte Knobloch mit. Westerwelle selbst teilte der Paulaner-Brauerei am Donnerstag mit, er wolle künftig nicht mehr zum Bieranstich eingeladen werden. „Mit einem KZ-Wächter verglichen zu werden, geht zu weit“, schrieb der Bundesaußenminister.
Michael Lerchenberg sagte zu der Hartz VI-Debatte des Außenministers:" Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er in den leeren, ver- blühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumherum ein großer Zaun. Zweimal am Tag gibt's a Wassersupp'n und einen Kanten Brot. Statt Heiz- kostenzuschuss gibt's zwei Pullover von |
Sarrazins Winterhilfswerk, und überm schmiedeeisernen Ausgang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemden steht: „Leistung muss sich wieder lohnen.“
Das sind natürlich Anspielungen auf das SS-Vernichtungslager Ausschwitz, das über dem Tor den Spruch: "Arbeit macht frei" stehen hatte. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hält Lerchenberg zugute, dass er die Nazi-Opfer "ganz sicher nicht der Lächerlichkeit preisgeben wollte. Aber es ist ein Grundfehler, einen demokratischen Streit mit dem NS-Regime zu vergleichen. Das bedeutet immer, das Leid der Opfer zu ver- harmlosen. Nach 60 Jahren müsste jeder gelernt haben, dass der Vergleich mit to- talitären Schergen unangemessen ist."
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