Noch im Sommer schien es nach dem Abgang von gleich vier Ministerpräsidenten so, als habe die CDU jetzt ein Nachwuchsproblem. Nun gibt es einen neuen Hoffnungsträger. Wie seinerzeit Angela Merkel hat sich Röttgen innerparteilich durch ein Votum der Basis durchgesetzt. In einer Mitgliederbefragung hatte er sich mit 54 Prozent klar gegen seinen Rivalen Armin Laschet behauptet. Die Parteispitze dagegen hatte klar hinter Laschet gestanden. Auch Merkel war nicht die Favoritin der Funktionäre gewesen.
Auf dem Landesparteitag am Samstag soll Röttgen von den Delegierten zum Nachfolger von Jürgen Rüttgers gewählt werden. Der war im Mai zurückgetreten, nachdem er seine Landtagswahl desaströs verloren hatte. Seither regiert in Nordrhein-Westfalen eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Duldung der Links-Partei.
Röttgen ist nicht allein durch seine Wahl zum Hoffnungsträger geworden. Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland. Röttgens Landesverband stellt an Parteitagen der Bundespartei die meisten Delegierten, nämlich ein Viertel. Daher ist auch seine Wahl zu einer der vier Stellvertreter der Parteivorsitzenden Merkel Mitte des Monats in Karlsruhe so gut wie sicher.
Röttgen ist zwar noch nicht der Kronprinz schlechthin. Aber er gehört jetzt zum Spitzentrio der Union direkt hinter Merkel. Neben Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist er sozusagen einer der Reservekanzler. |
Dieses Trio steht für einen neuen Schlag von Politikern. Sie bauen weniger auf Seilschaften und haben ihr Ohr offenbar näher am Volk. So traf Guttenberg mit der Aussetzung der Wehrpflicht die allgemeine Gemütslage. Röttgen scheiterte zwar mit dem Versuch, nur eine äußerst moderate Laufzeitverlängerung für AKWs zuzulassen. Damit hätte er allerdings der Stimmung in der Bevölkerung besser Rechnung getragen.
Als größtes Handicap gilt, dass Röttgen als Umweltminister in Berlin amtiert. Das werde es ihm erschweren seinen Landesverband schlagkräftig zu führen, lautet eine weit verbreitete Einschätzung. Dann wird gerne auf das Beispiel Norbert Blüm verwiesen, der als Arbeitsminister im Kabinett Kohl saß und gleichzeitig Landesvorsitzender war. Damals wurde (West-)Deutschland allerdings noch von Bonn aus regiert. Das liegt in Nordrhein-Westfalen. Das Scheitern Blüms kann also nicht allein an der angeblichen räumlichen Distanz gelegen haben.
Bislang hat Röttgen eine ziemlich steile Karriere absolviert. Er gehörte in Bonn der so genannten „Pizza Connection“ an, einer Gruppe junger CDU-Abgeordneter, die engen Kontakt zu den Grünen pflegten. Heute versteht er sich noch immer prächtig mit Grünen-Chef Cem Özdemir, den er duzt. Dagegen gilt sein Verhältnis zu den CDU-lern der „Pizza-Connection“ als abgekühlt. In Berlin hat sich der Jurist lange mit wirtschaftlichen Themen einen Ruf gemacht, bis |