Über mangelnde mediale Aufmerksamkeit können sich die Ausstellungsmacher um Gunther von Hagens wahrlich nicht beklagen. Während insbesondere die Kirchen dem im polnischen Kalisz unter dem Namen Gunther Gerhard Liebchen geborenen Mediziner und Anatom unethisches Handeln und Geldverdienen auf Kosten Verstorbener vorwerfen, verweisen andere auf die aufklärenden Effekte seiner Arbeit. Der Autor dieser Zeilen meint, dass trotz einiger diskussionswürdiger Ausstellungsobjekte die Wissensvermittlung über die Anatomie des Menschen im Vordergrund steht.
So erfährt der Besucher auf seinem Rundgang durch die Ausstellung anhand präparierter menschlicher Körper, Organe sowie Gelenke viel über die Entwicklung des menschlichen Organismus von der Entstehung im Mutterleib bis zum Tod. Hierbei werden auch Anomalien gezeigt, wie beispielsweise nach der Geburt verstorbene siamesische Zwillinge oder ein Baby mit einem Wasserkopf. Darüber hinaus wird jedes menschliche Organ in gesundem Zustand und seine Veränderungen aufgrund verschiedener Krankheiten anschaulich dargestellt - von der Leberzirrhose bis zum Lungenkrebs. Daneben finden sich auf großen Tafeln medizinische Erklärungen für Krankheiten sowie Möglichkeiten der Vorbeuge und Tipps für ein gesundes Leben.
Gerade dieses Zusammenspiel von der oft kritisierten Zurschaustellung menschlichen Leids und medizinischen Erklärungen verleiht der Ausstellung einen aufklärerischen Charakter. Und vermutlich hat der Anblick einer „echten“ Raucherlunge einen größeren Einfluss auf gesundheitsorientiertes Verhalten als so manche Warnung auf einer Zigarettenschachtel. Wobei auch die Macher von „Körperwelten“ dann doch nicht ganz auf unterhalterische Elemente verzichten wollten. Denn inwiefern ein Saxofon spielendes Exponat oder ein Plastinat in Piratenuniform zur medizinischen Aufklärung beitragen, muss wohl jeder Besucher für sich entscheiden. Doch letztlich bietet die Ausstellung faszinierende Einsichten in die menschliche Natur, unser Leben und unser Sterben. |