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Fotoausstellung in Berlin: Kontrast und Konfusion im Alten Postamt bis zum 4. Oktober 2009
30.08.2009
Foto-Ausstellung
Aufreizende Motive, provokante Konstellati- onen, hervorspringende Farben und verschlos- sene Gesichter findet man in den Werken von Pierre et Gilles, Flughäfen, Felder, Wüsten und Autobahnen aus der Vogelperspektive zeigt dagegen Christoph Engel.

Einerlei, was man von den Bildern an sich hält, in einem Punkt sind sich wohl alle einig: der künstlerischen Verarbeitung von Photo- graphien sind keine Grenzen gesetzt, weder auf der thematischen noch auf der ge- stalterischen Ebene. So teilen die beiden Ausstellungen, die zur Zeit im C/O Berlin im alten Postamt zu sehen sind, auch nur diese eine Gemeinsamkeit.

Das französische Künstlerpaar Pierre et Gilles, die seit über 30 Jahren zusammen arbeiten und leben, gehören zu den ein- flussreichsten zeitgenössischen Künstlern. Ihre Werke entstehen, indem Pierre foto- grafiert, und Gilles es dann bearbeitet: er retuschiert, koloriert, wählt einen Rahmen, der so genau auf seinen Inhalt abgestimmt ist, das auch er Bestand- teil des Kunstwerks wird.

Die sind farbenfroh und aufrüttelnd, manche kitschig, manche revolutionär, und manche alles auf einmal- aber nie langweilig. Mal fügt sich ein provokantes Detail so in das Bild, das es erst auf den ersten Blick gar nicht bemerkt wird, so wie bei dem Portrait einer in edles Schwarz gekleideten Dame, die von einem adventskranz-ähnlichen Tannenge- steck eingerahmt wird: erst beim genaueren Hinschauen sieht
man, dass es sich bei den vermeintlichen Kerzen durchweg um Darstellungen des männlichen Geschlechts handelt.

Oft ist der Affront aber auch das, was zuerst auffällt, den Betrachter anspringt. Dabei erwecken viele Bilder den Eindruck, als wären die Künstler in der phallischen Phase stecken geblieben, um es mit Freud zu sagen. Doch das bedeutet keineswegs, dass es sich bei ihren Werken um etwas Triviales oder gar Vulgäres handeln würde. Nein, sie stecken voller Zitate und Anspielungen aus der Mythologie, der Kunst, der Literatur, man findet Neptun, Nina Hagen und Alice im Wunderland, aber auch einen Gefangenen, einen KZ-Häftling, oder einen Gitarrenspieler, der in der Provinz unter einem Baum steht und durch seine Musik Paris, symbolisiert durch die Sacre coeur, evoziert.

Ein weiteres interessantes Detail ist, dass die Männer oft entweder gefangen oder mit einem völlig unschuldigen, ausdruckslosen Schlafzimmerblick portraitiert werden, die Frauen jedoch dominant, stark und meist wunderschön sind. Am deutlichsten wird das wohl in der Bilderserie „Les plaisiers de la foret“: es sind 5 Bilder, 3 Frauen und 2 Männer. Die Männer sind gefesselt, die Frauen in Ballkleider gehüllt, schön, stark und tödlich. Die Serie findet ihren Höhepunkt im Portrait einer Schwarzhaarigen, deren un- schuldiger, sanfter Blick einen scharfen Kontrast bildet zu all den blutigen Folter- werkzeugen bildet, die sie umkreisen - der Archetyp der femme fatale.

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