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Serie - 20 Jahre danach: Mödlareuth ist immer noch geteilt
19.10.2009
Die „Berliner Mauer“ von Mödlareuth
Anders als Berlin ist Mödlareuth an der ehe- maligen innerdeutschen Grenze noch immer in Ost und West geteilt. Die Mauer wurde allerdings grösstenteils abgerissen.

"Little Berlin“ nannten vor allem die Ameri- kaner das kleine Dorf an der bayrisch-thüringischen Grenze. Das nördlich von Bayreuth gelegne Mödlareuth war nämlich bis 1989 genau wie Berlin durch eine Mauer in Ost und West geteilt. Doch anders als Berlin wurde Mödlareuth nach der Wende 1989 nicht wiedervereinigt. Denn Mödlareuth ist schon viel länger geteilt.

Schon im 16. Jahrhundert bildete der mitten durch das Dorf fliessende Tannbach die Grenze zwischen der damaligen Mark- graftschaft Bayreuth und der damaligen Grafschaft Reuss-Schleiz. Weil der Bach kein unüberwindbares Hindernis darstellte, störte es die Bevölkerung nicht, dass Schule und Rathaus auf der heute thüringischen Seite standen, während man im bayrischen Töpen zur Kirche ging. Immerhin der Männerge- sangverein war ein Gemeinschaftsun- ternehmen beider Mödlareuth.

Aufgrund dieser jahrhundertealten his- torischen Trennung dachte nach der Wende niemand an eine Wiedervereinigung. Es gibt unterschiedliche Postleitzahlen und ver- schiedene Vorwahlnummern für die ins- gesamt 50 Mödlareuther, die zu etwa gleichen Hälften auf beiden Seiten des Baches wohnen. „Die Thüringer wollten Thüringer bleiben und die Bayern Bayern,“ erklärt der frühere Bürgermeister von Mödlareuth West, Arnold Friedrich, die Situation.

Allerdings war man sich genauso einig, dass die 700 Meter lange und 3,3 Meter hohe Mauer weg musste. Doch während die Mauer in Berlin schon in der Nacht des 9. November durchlässig wurde, blieb in Mödlareuth in dieser Nacht noch alles beim Alten. Man musste zunächst den Umweg über den benachbarten Autobahnübergang wählen, um von einem Ortsteil in den anderen zu gelangen. Erst am 6. Dezember entfernte ein Arbeitstrupp der DDR-Grenztruppen zwei Elemente der Mauer. Der Durchgang wurde allerdings erst drei Tage später geöffnet, für die Nachtstunden jedoch wieder ge- schlossen.

Es dauerte dann noch bis zum 17. Juni 1990, dem einstigen westdeutschen „Tag der deutschen Einheit,“ bis Bewegung in die Sache kam. „Das war eine ganz geheime Kommandosache, von der nur fünf Personen wussten,“ erinnert sich Friedrich. Den grossen Mauerdurchbruch hatte er mit seinem Amtskollegen in Mödlareuth Ost abgesprochen. Eingeweiht waren nur der Chef der Baufirma sowie zwei Arbeiter. Geplant war eigentlich nur der Abriss von 10 bis 15 Metern. Doch unter den An- feuerungsrufen der Zuschauer legte der Baggerfahrer hundert Meter um. Später haben die DDR-Grenztruppen dann den Rest entfernt.

„Wir mussten kämpfen, dass noch ein Stück stehen bleibt,“ erklärt Friedrich. Schon nach der Abrissaktion vom Juni war später am Biertisch die Idee entstanden, eine Art Museum zu gründen. „Wenn alles weg ist, weiss doch später keiner mehr, wie das einmal war,“ begründet Friedrich die Idee.
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