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Der Star ist das Museum: Das Neue Museum in Berlin
29.12.2009
Für Feiertage
Das Neue Museum in Berlin beherbergt ein Weltkulturerbe: Die Büste der Nofretete. Doch trotz dieser Einmaligkeit - der eigentliche Star des Neuen Museums ist das Museum selbst. Der Bau ist eine architektonische Meister- leistung, die es Wert ist, ins Museum zu gehen, auch wenn man sonst kein Mu- seumsgänger ist. Vor allem, jetzt an den kommenden Neujahrs- Feiertagen.

Was ist nicht alles im Vorfeld der Eröffnung des Neuen Museums geschrieben worden: Der Entwurf des britischen Architekten David Chipperfeld seien "zusammengeklebte Trüm- merreste", so "Die Welt" im Februar 2009. Der Architekt, so "Die Welt" weiter, habe die Sinngebung der Ruine, die das Neue Museum vor dem Umbau war, nicht ver- standen.

Andere schrieben, dass die Museums- besucher ablehnend, zumindest aber zwie- gespalten aus dem Neuen Museum herauskommen werden. Doch als am 16. Oktober 2009 das Neue Museum nach über 70 Jahren zum erstenmal wieder die Türen öffnete, gab es einen Besucheransturm, der in die Tausende ging - und: Es herrschte Begeisterung!

Begeisterung, wohlgemerkt, nicht nur über den neuen - und um es gleich zu sagen, tollen - Raum für Nofretete, sondern es herrschte Begeisterung über eine archi- tektonische Jahrundertleistung. David Chip- perfield ist im ehemaligen Stülerbau und Neuen Museum gelungen, was zuvor nur beim Reichstag gelungen war: Eine vollendet harmonische Verbindnung zwischen alten und zerstörten Bauresten und neuer Archtiketur. Das Museum ist ein Gesamt- kunstwerk, es ist in seiner Harmonie ge- radezu sinnlich.

Entworfen und gebaut wurde es von 1843 bis 1855 von einem Schüler Schinkels, von Friedrich August Stüler. Er orientierte sich, wie sein Vorbild, am klassizistischen Baustil. Erheblich zerstört wurde das Museum dann im Zweiten Weltkrieg und blieb bis 1989 als mahnende Ruine auf der Museumsinsel stehen.

Bereits in seinen Ursprüngen diente das Neue Museum als "Erweiterungsbau" des Alten Museum, als Museum für Vor- und Früh- geschichte sowie als Ägyptisches Museum. Folgerichtig war deshalb auch, die Büste der Nofretete aus dem Schloß Charlottenburg zurück in das nun eröffnete Neue Museum zu bringen.

Von Außen betrachtet wirkt der Stüler-Bau eher einfach. Doch diese Einfachheit steht in totalem Kontrast zu seinem bunten "Innen- leben". Bereits Stüler hatte angestrebt "die Räume in größtmöglicher Harmonie mit den aufgestellten Gegenständen" zu ver- binden. Diesem Prinzip ist auch von Chipperfield Rechnung getragen worden. Zusammen mit der Sicherung des Baues 1986, begannen noch in der DDR bereits die Planungen zum Wiederaufbau des Neuen Museums. Die zahlreichen Bauteile - Säulen, Kapitelle, Gesimse, Böden, Wandbilder - sollten als Vorlagen bei der geplanten weitgehenden Rekonstruktion des Gebäudes dienen. Diese Planung wurde mit der Wiedervereinigung hinfällig.

Nach 1989 galt: Elemente der erhaltenen Fassaden sollen in den ergänzten Fassaden aufgenommen, Originalbefunde am Bau waren zu erhalten und die zahlreich ent- nommenen Bauteile mussten wieder integriert werden. Die Ergänzungen müssen offen gezeigt und ablesbar sein.

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