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Die erste seriöse Darstellung der Massen- Vergewaltigungen 1944/45, geschrieben von einem Juristen.
13.01.2010
Das Schweigen der Historiker
Zu Ende des Zweiten Weltkrieges wurden hunderttausende, vermutlich sogar mehrere Millionen Frauen von Angehörigen der Roten Armee vergewaltigt. Diese Vergewaltigungen waren eingebettet in ein Panorama sowjetischer Gewalt, das sich Ende 1944 bis Mitte 1945 gegen deutsche Zivilisten auftat. Ausgehend von der sowjetischen Besetzung des Memellandes und Ostpreußens zogen sich die brutalen Übergriffe mit Vorrücken der sowjetischen Armee bis hinein ins heutige Ostdeutschland, mit einer erneuten Pique in Berlin. In allen Gebieten waren massenhafte Vergewaltigungen in den ersten Tagen nach dem Einmarsch der Roten Armee der brutale Normalfall. Erst nach einer ersten Gewaltwelle bestand die Möglichkeit einer zumindest oberflächlichen Stabilisierung des Verhältnisses zwischen Deutschen und Rotarmisten.

Ausmaß und Brutalität der Massenvergewaltigungen sind in der Geschichte einmalig. Dennoch finden sie bisher wenig Aufmerksamkeit in der Darstellung der letzten Kriegswochen 1944/45. Insbesondere die deutsche Geschichtswissenschaft tut sich mit dem Thema schwer. Offensichtlich wirken hier die langjährigen westdeutschen Auseinandersetzungen über den Umgang mit Verbrechen gegen Deutsche nach. Die politischen Fallen sowie die Auflösung eines populärhistorisch leicht verdaulichen Täter-Opfer-Schemas beim Beschreiben der Massenvergewaltigungen bereiten den Historikern Schreibhemmungen. Zu groß ist die Angst, des Mangels oder Übermaßes an Empathie mit einer der beiden Akteurgruppen bezichtigt zu werden.
Eine seriöse, reflektierte und umfassende Darstellung der Massenvergewaltigungen fehlt deshalb bislang. Und dies obwohl die lautstarke Diskussion über den Umgang mit den Vertreibungen aus den ehemaligen Ostgebieten in den vergangenen Jahren durchaus Raum geboten hätte für eine differenzierte Betrachtung der Massenvergewaltigungen. Die deutsche Historikerzunft hat jedoch nach wie vor zu große Scheuklappen, um sich dem Thema ernsthaft zuzuwenden. Anstatt sich ihrer Pflicht zu stellen und auch politisch „heiße Eisen“ anzufassen, gefällt sich die Mehrheit nach wie vor in der Rolle als unbeachteter Fachmann, der es nur auf ausdrückliche Nachfrage besser weiß. Die Einbringung in öffentlichkeitsrelevante Debatten gilt häufig als „zu populärwissenschaftlich“. So wird die Diskussion der massenhaften Gewalt gegen deutsche Zivilisten zu Kriegsende dem rechtsradikalen politischen Spektrum überlassen, das sich dem Thema dankbar und mit gebührender Unseriosität annimmt.

Diese professionalisierte Feigheit hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass an ernstzunehmender Literatur nur wenige Aufsätze zur sexualisierten Gewalt der Roten Armee insbesondere gegen deutsche Frauen veröffentlicht worden sind. Deshalb sind die Massenvergewaltigungen bisher nicht nur ungenügend geschildert, sondern in Entstehung und Bewältigung vor allem auch defizitiär erklärt. Weltanschauliche Voreingenommenheit hat bislang dazu geführt, dass Monokausalitäten für die Begründung der Vergewaltigungen angeführt werden. Nach wie vor gelten die sowjetischen Übergriffe entweder als Triebtat oder als Racheakt. Beide Begründungen greifen jedoch zu kurz. Selbiges gilt für die bisher grob irreführenden Schilderungen des Umgangs mit den Massenvergewaltigungen in der westdeutschen Nachkriegszeit.
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